Im Sommer vor einem Jahr habe ich mein Weblog (= ein Netztagebuch) eröffnet. Heute beende ich mit diesem 170. Beitrag mein Bloggen. Kommentare zum Blog sind nun nicht mehr möglich. Kondolenzen zum Abschied von meinem Sabbatjahr nehmen ich gerne in meinem Gästebuch oder per E-Mail (mail@frankpohl.de) entgegen. Ich möchte mich auch recht herzlich bei allen bedanken, die mein Weblog fleißig gelesen haben.
Irgendwie schien das Wort "Sabbatjahr" viele zu irritieren - es ist eine Auszeit. Manche fragten nach, ob ich in diesem Jahr ins Kloster ginge, weil es ja vielleicht etwas mit Religion zu tun hat. Hat es nicht. Ich benutze das Wort lediglich, weil es die offizielle Bezeichnung für ein freies Jahr ist, das man sich vorher beim Arbeitgeber "erarbeitet" hat.
Auf die Arbeitswelt übertragen bedeutet das Sabbatjahr, dass ein Arbeitnehmer nach beispielsweise sechs Jahren den Arbeitsplatz verlässt, um eine Auszeit zu nehmen. Nach dieser Zeit kehrt der Arbeitnehmer gut erholt und mit neuem Schwung in das Unternehmen zurück. Er kann in dieser Zeit Urlaub machen oder sich einen anderen Wunsch erfüllen, z. B. ein Praktikum machen oder an einer längeren Fortbildung teilnehmen. In der Arbeitswelt kann das Sabbatjahr in der Regel zwischen drei und zwölf Monaten dauern (weil es manchmal weniger als ein Jahr dauert, wird es häufig amerikanisch "Sabbatical" genannt).
Natürlich muss ein Sabbatjahr finanziert werden. Ansparen kann man zum Beispiel, indem man für einen vereinbarten Zeitraum nur einen Teil des Gehalts ausgezahlt bekommt, das heißt: Wer die "Siebtel"-Regelung vereinbart, verzichtet sieben Jahre lang jeden Monat auf ein Siebtel seines Einkommens (und auch auf entsprechende Pensionsansprüche). Das Arbeits- (Unterrichts-) Volumen bleibt unverändert.
Zurück zum religiösen Ursprung des Wortes. Das Sabbatjahr ist ursprünglich ein Begriff aus dem Alten Testament: Es beschreibt das siebte Jahr, in dem der Acker brachliegt, damit der Boden sich regenerieren kann. Nach dem Sabbatjahr wird wieder eine bessere Ernte erwartet.
- dass ich im Sabbatjahr auch gearbeitet habe. Endlich schaffte ich im kühlen Frühjahr 2008 abzuarbeiten, was man sich als Lehrer für den Teil in den Sommerferien vergeblich vornimmt, der auch für Lehrer "schulfrei" ist: angesammeltes Material sichten, sortieren, sogar teilweise schon Unterricht vorbereiten.
Nicht alles konnte im Weblog stehen. Aber Texte und Fotos sind vielmehr ein „Sprechanlass“, um mal mit dir über mein Sabbatjahr ins Plaudern zu kommen. :-)
Nachdem Hillary Clinton nun Weg vom Fenster ist, fällt eins auf: Barack Obama ist der Medienliebling. Würde man es nicht besser wissen, könnte man meinen, schon nächste Woche würde gewählt. So viel wird hier zur Election `08 berichtet.
Aktivisten der Demokratischen Partei sind hoch motiviert
Zum 38. Mal fand die Feier des San Francisco Pride statt und mit über 1 Mio. Menschen strömten doppelt so viele wie sonst zum Pride. Es gab 200 Parade-Einheiten, 300 Aussteller bei der Pride-Feier am Civic Center – auf der Bühne waren u.a. Cyndi Lauper und Crystal Walters.
Das Motto: United by Pride, Bound for Equality (Vereint im Pride [Stolz] – auf dem Weg zur Gleichstellung). Eigentlich hätte das Motto heißen müssen "Just married", denn hier wurde an jeder Stelle gefeiert, dass das hiesige Gericht einen Antrag zum Stopp der Homo-Heirat in Kalifornien verworfen hatte, davon war der Pride bestimmt. Aber im Herbst gibt es schon den nächsten juristischen Anlauf der Gegner einer Gleichstellung.
StadtoberhauptMayor Gavin Newsom:
Pride-Straßenfest am Civic Center:
Kurze Clips von der Parade auf der Marketstreet:
Am Rande der "CSD"-Parade: Bekehrungsversuche von "Christen":
Spontan entschied ich mich in den Film "Another Gay Sequel: Gays Gone Wild!" zu gehen. Es ist die Fort-setzung der schrillen Komödie Another gay movievon Regisseur Todd Stephens (s.o.: im Interview), die in der Art des US-College-Films American Pie den "Einstieg" von fünf Schwulen in das Homo-Leben erzählt.
Aber dann vor dem Kino die peinliche Geschichte vor Filmbeginn: mich spricht jemand an, ob wir denn alle für den Film anstünden? Ja, das ist die "rush line" (sozusagen die Last-Minute-Schlange für zurück gegebene Karten) erkläre ich und weise ihn ans lange Ende... "Wow", meint er. Allerdings stellt sich dann raus, dass es einer der Hauptdarsteller aus dem Film ist. Obwohl ich den "ersten Teil" von Another gay movie gesehen hatte, war mir nicht aufgefallen, dass es Jonathan Case ist. Neben mir versammeln sich nun nach und nach alle Schauspieler, während sich eigentlich der Boden öffnen sollte, in dem ich versinken kann.
Zum Glück war der Film genauso peinlich. Die Urlaubsstory nach Fort Lauderdale, mit Ru Paul als Moderator eines Wettbewerbs war lustig bis zur Schmerzgrenze und sehr gewagt an manchen Stellen ...
Brent Corrigan - in Teil 2 auch vertreten, sonst "adult star" ;-)
Zur Filmpremiere dabei die weiteren Schauspieler: u.a. Jonah Blechman, Michael Carbonaro, Jonathan Chase und Mitch Morris
Heute erhielt ich vom Verlag das redigierte Manuskript zu meinem Buch zurück. Ich bin froh über die Änderungen, die der Verlag vorgenommen hat. Das Erscheinen des Romans, so wie ich ihn geschrieben habe, ist nun realistisch.
Wie man am Titel sieht (s.o.), geht es um Homosexualität bei Jugendlichen.
Zum Inhalt: Als der 14-jährige Basti morgens aufstand, wusste er noch nicht, dass ein Tag im Leben so viel ändern kann. Mit seinem Freund Ferhat, den er bewundert, sind sie die coolsten Jungen in der Schule. Nach einem Streit in der Schule muss sich Basti plötzlich der Frage stellen, ob er schwul ist...
"Bist du schwul, oder was?" ist ein kurzer Roman über Freundschaft, Liebe und Homosexualität und wird im Herbst 2008 erscheinen. Dann ist das Buch in jeder Buchhandlung erhältlich sowie bestellbar über Amazon oder direkt beim Verlag an der Ruhr. Außerdem gibt es mit dem Erscheinen des Romans ergänzende Unterrichtsmaterialien in Form einer Literatur-Kartei, die auch von mir verfasst wurde.
Termin: erscheint am 31.10.2008 ( ISBN: 978-3-8346-0444-6 )
Castro ist nicht nur der Name für den Gay-District in San Francisco, die Gegend beherbergt auch das gleichnamige uralte Kino.
Diesen traditionsreichen Filmpalast wollte ich schon im Herbst 07 besuchen. Aber leider bot das Programm-kino nur uninteressante Schinken. Diese Woche fand dort jedoch das LGBT-Festival framelines statt und mit ihm ein abwechslungsreiches Filmvergnügen - von Feel-Good-Movies wie Tru Loved (Stewart Wade, USA 2008) bis zu ernster Kost wie Before I forget (Avant que j’oublie, Jacques Nolot, Frankreich 2007). Also nichts wie hin …
Die Architektur des Hauses vereint unter seiner Kuppel im mexikanischen Stil verschiedene Stilrichtungen. Der Theatersaal wirkt festlich und vor Beginn des Hauptfilmes wird ganz klassisch Orgel gespielt – „klassisch“ im Sinne von traditioneller Filmmusik. Die Original-Orgel eines alten Kinos bietet technisch-klangliche Finessen, die nicht nur für Cineasten sehr beeindruckend sind!
Orgelende vor Filmbeginn
Das Castro-Theatre stammt aus den 1920er Jahren und fiel nicht – wie bei uns – Krieg, 70er-Jahre-Stadt-planungswahn oder modernen Multiplex-Cinemas zum Opfer. Welch ein Glück! Gegründet wurde das Kino von der Familie Nasser. 1908 hatten die Brüder Nasser mit einem „Nickelodeon“ begonnen – einem kleinen Vorführraum, zu dem man mit 5 Cent (=ein „Nickel“) Eintritt bekam. 1922 bauten sie dann das heutige Filmtheater in der Castro Street.
Diese Straße gab auch dem Viertel den Namen, wenn gleich man die Gegend zu dieser Zeit auch noch „Klein-Skandinavien“ nannte (wegen der vielen Einwanderer aus Dänemark, Norwegen und Schweden). Aber „Castro“ hieß schon seit 1887 die Endstation der aus Downtown kommenden Straßenbahn und übrig geblieben ist Castro, mit dem das Viertel seit den 1960er Jahren berühmt wurde.
Das Kino selbst erlebte unterdessen einige Besitzerwechsel und übliche zeitbedingte Kino-Änderungen bis das Gebäude in den 70er Jahren unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die Orgel wurde wieder hergestellt und in 2001 übernahmen Nachfahren der Gebrüder Nasser erneut die Leitung des Kinos.
An diesem Wochenende gab es eine Hitzewelle an der Westküste der USA. Auch viele Waldbrände gibt es nun wieder in Nord-Kalifornien. San Francisco brach einen Hitzerekord mit fast 40 Grad – das ist ein höherer Wert als die höchste Juni-Temperatur mit 36 Grad in 1973.
Aber auch wohl nur in San Francisco gibt es das: am Nachmittag kam Wind auf und innerhalb von drei Stunden sank das Thermometer um über 15 Grad ab.
Blick auf San Francisco und die Bucht bis zur Golden Gate Bridge
Wenn das mal kein Jetset-Leben ist: abends um 22.30 Uhr Rückkehr aus Barcelona. Eine Nacht daheim. Und morgens schon wieder um 7 Uhr zum Flughafen, um in die USA zu fliegen …
Schön war natürlich im Anflug wieder einmal die Skyline von New York samt Freiheitsstatue zu sehen. Aber: Ein Umstieg in London-Heathrow war schon immer die Hölle, mein Umstieg in New York hatte dafür sein eigenes US-amerikanisches „Flair“:
Das riesige Kaspele-Theater namens „Terrorismus-Bekämpfung“ geht unvermindert weiter. Die Einwanderungsbehörde ist ja schon humaner geworden, nachdem zu viele Touristen von einer US-Reise abgeschreckt wurden wegen der unmöglichen Fragemethoden, wie man sie von DDR-Zöllnern kannte. Aber ansonsten: Koffer raus, Koffer rein, dann in einer Reihe 5 Mal (fünf!) die Kontrolle meiner immer gleichen Bordkarte samt Reisepass von fünf verschiedenen Personen. Alles und jeder der Aktuere ist enorm wichtig. Während die Amis sonst lari-fari sind, hier spielt jede/r das Schauspiel mit als sei er oder sie der Personenschutz von Mr. President höchstpersönlich. Ein unglaubliches Affentheater – und alle „Affen“ laufen dann auf ihren Socken durch Gegend – great!
Zum Abschluss des New-York-Stopps gab es noch den „Höhepunkt“, dass wir nach dem Boarding fast fünf Stunden in der Maschine sitzen mussten, während sie am Flughafen stehen blieb. Die gesamte Reisezeit nach Kalifornien dauerte dann letztlich genau so lange wie der Flug nach Australien …
Ein großer politischer Aufreger ist ja immer die Woche vor den Sommerferien, in denen „die Lehrer“ ihren Bildungsauftrag angeblich nicht erfüllen. Ohne sich auch nur ernsthaft mit den Realitäten auseinander-setzen zu wollen, gibt es alle Jahre wieder bildungspolitische Offensiven, die „Unterricht bin zum letzten Tag“ fordern.
Komisch ist nur, dass sich wenig Politik rührt, wo man doch am Köln-Bonner-Flughafen die Bildungs-verweigerer in Scharen begrüßen kann – und mich wundert, dass die Passkontrolle niemanden der 10 bis 15 Jährigen Jugendlichen und ihren dazu gehörigen Erwachsenen fragt: „Sagen Sie mal, haben Sie eine Bestätigung der Schulbehörde dabei, dass das Kind vom Unterricht befreit ist?“ Denn: Bei meinem Abflug war es noch über eine Woche bis zu den Sommerferien in NRW – und andere Bundesländer folgen erst später.
Während meines Fluges habe ich dann endlich auch dieses Buch angefangen zu lesen, das mir ein Freund und - wie passend zum obigen Thema – ehemaliger Mitarbeiter vom Jugendamt zum Geburtstag geschenkt hatte.
Ich muss gestehen, dass ich die ersten Seiten schon einmal angefangen und das Buch mit ein wenig Unlust wieder beiseite gelegt habe. Aber die beiden langen Flüge bis San Francisco haben nun endlich ihr Übriges zum Lesen eines Tommy-Jaud-Buches geleistet. Na ja, der ist halt der Autor vom Vollidiot - da weiß man, was man nicht zu erwarten hat. ;-) Aber die Widmung im Buch war ja nun Verpflichtung genug, das Buch in meinem „Resturlaub“ zu lesen. Danke!
Noch ein Sabbatjahr? Heute vor einem Jahr ging ich mit Sommerferienbeginn in mein Sabbatjahr. Wenn es nach mir geht, spare ich gerne noch einmal ein paar Jahre für eine neue Auszeit. Aber:
Ich hatte schon vor acht Jahren so eine Vorahnung, dass zukünftig die Chancen für eine Auszeit sinken würden. Hauptsächlich deshalb beantragte ich mein Sabbatjahr, mit dem Gedanken: „So lange es diese ungeheure Chance einer Auszeit bei Arbeitsplatz-sicherheit wie in nur wenigen Job gibt, möchte ich das auch nutzen.“ Dabei wusste ich nicht einmal, was ich in der freien Zeit unternehmen wollte.
Heute scheint genau das einzutreten, was ich seinerzeit befürchtete: der Arbeitgeber beschneidet Sabbatjahr-Zusagen, vermutlich erkennt er nicht einmal mehr die Vorteile an, die sich auch für das Schulsystem ergeben. Denn vor Kurzem gab es die politische Anweisung an die NRW-Bezirksregierungen im Interesse der Unterrichtsversorgung dafür Sorge zu tragen, dass zukünftig grundsätzlich nur noch eine Lehrkraft pro Schule und Schuljahr in die Freistellungsphase des Sabbatjahres geht. Die Tendenz heißt also: auch bei großen Schulen Null Chance. Bisher brauchte man schon Glück, dass man von seiner Schulleitung die Genehmigung bekam (nochmals Danke an Achim Körbitz!). Jetzt wird es nicht einfacher, weil der Druck vom Dienstherrn auf die Schulleitungen auch in dieser Hinsicht erhöht wird. So kann es sein, dass das Sabbatjahr nur noch auf dem Papier existiert, aber nicht mehr realisiert wird.
Ich bin gespannt, ob und wann ich das nächste Sabbatjahr beantragen kann. Den Grundstein dafür habe ich bereits gelegt, indem ich meinen Rück-zahlungsanspruch auf von mir bis jetzt abge-leistete "Vorgriffsstunden" komplett ins Schuljahr 2013/2014 legen ließ. Ein Traum wäre wenigstens ein halbes Sabbatical im Frühjahr 2014.
Mein Sabbatjahr war nicht nur eine Zeit für Unternehmungen, sondern auch Gelegenheit zum Nachdenken: über Gott und die Welt - und den Tod.
Ich hatte lange Jahre keine Angst vor dem Tod - und erschrak eines Tages plötzlich, als ich mir vor Augen führte, wieder in den Zustand vor meiner Geburt zurückzufallen:
„Wenn es das Nichtsein wäre, das uns am Tod schreckt, so müssten wir schon über das Nichtsein vor der Geburt erschrecken. Denn vor der Geburt liegt schon jene Unendlichkeit ohne uns, die wir als Stachel des Todes fürchten." (SCHOPENHAUER; 1788-1860) Je größer mein eigener Schrecken über die Vorstellung war nicht mehr "da" zu sein, desto intensiver war meine Suche nach Antworten. Davon möchte ich berichten.
Was ist der Tod an sich? Der Tod als das Erlöschen aller Lebensfunktionen ist ein naturgemäßes und unveränderliches Faktum. Als unser Ende wirkt er auf uns Menschen hochgradig bedrohend. Dies macht viele Wege erforderlich, mit dem Faktum des Todes umzugehen: durch Leugnen oder die Angst im Laufe unseres Lebens auf rationalen Weg zu bewältigen, sie gedanklich durch die Suche nach Antworten zu neutralisieren. Antwortmöglichkeiten bieten dafür philosophische, religiöse und medizinische Annahmen. In der griechischen Antike zum Beispiel war der Tod der ,,schöne Genius, der Bruder des Schlafs, verewigt in Monumenten über den Gräbern."
Laut dem französischer Humanisten Michel de Montaigne (1533-1592) fürchten wir aber mehr das Drumherum um den Tod als den Tod selbst: "schauderliche Trauermienen und Anstalten, eine völlig veränderte Umgebung, das Geschrei der Mütter, Frauen und Kinder, die Besuche von bestürzten und ganz außer sich geratenen Menschen, die Gegenwart einer Menge blasser und jämmerlich weinender Diener, ein Zimmer ohne Tageslicht (…) Kurz: alles um uns herum verursacht Grauen und Entsetzen. Wir sind schon so gut wie begraben und verscharrt."
Rückblick: Pubertät Als ich 15 Jahre alt war, waren für mich Sterben und Tod eine Angelegenheit alter Leute. Als Teenager tauchte der Tod morgens in Anzeigen der örtlichen Tageszeitung auf und gelegentlich kannte meine Mutter die Personen oder Familien, die dort genannt wurden: „Ach, mit der Schwester von dem und dem habe ich schon als Kind gespielt…“. Trotzdem schien der Tod eine Sache in fernen Zeiten, denn in jungem Alter holt einen der Tod nicht, jedenfalls höchst selten. Wenn man jung ist, dann befördern sich höchstens einige Altersgenossen oder deren jungen Idole von Zeit zu Zeit selbst aktiv ins Jenseits oder sie erreichen dies, indem sie ein besonders risikofreudiges Leben führen. Ich selbst war nicht risikofreudig, sondern gehörte zu der Gruppe unglücklicher Jugendlicher, die heimlich mehr als einmal mit dem Gedanken spielten, sich umzubringen. Da hatte der Tod etwas Erlösendes. Die schreckliche Zeit der Pubertät überstand ich doch wohl behalten. Zurück blickend kann ich fest stellen, dass mir in der Pubertät der Tod nur einmal wenig näher kam als meine Oma verstarb. Sie starb an Lungenkrebs. Da sie jedoch ein Leben lang wie ein Schlot gequalmt hatte, schien die erfolglose Krankenhaustherapie und der sie ereilende Tod fast wie eine logische Konsequenz ihrer vorausgegangenen täglichen Sucht.
Tod eines Freundes Nach der Pubertät, als junger Erwachsener kam ich über das Rote Kreuz zum Rettungsdienst. An hilfsbedürftigen Personen wurden fast immer erfolgreiche Rettungsmaßnahmen durchgeführt. Bei den wenigen DRK-Einsätzen, bei denen es tatsächlich um Leben und Tod ging, wurden nur wenige nicht mehr „zurück geholt“, so die damalige Ausdrucksweise. Bei den seltenen Toten, die ich sah, spielte für mich eine wichtige Rolle, dass ich sie nie als lebendige Menschen erlebt hatte. Ganz selten trafen wir sogar auf Personen in Leichenstarre, wie bei dem alten alleinstehenden Herrn, der überraschend am Küchentisch gestorben war. Als wir ihn auf den Boden legten, blieb sein Körper in der gleichen angewinkelten Haltung wie er zuvor am Tisch zusammen gesunken war. Das hatte wenig Menschliches, etwas Puppenhaftes, was nicht einmal den Funken eines Restes von Leben enthielt. So blieb mein Verhältnis zu Tod und Toten distanziert.
Zu dieser Zeit hatte ich auch keinerlei Angst vor dem Tod. Aber erschüttert wurde ich dann durch den überraschenden Suizid von Arno L. . Ich wurde emotional tief berührt. Und über einige Gedanken rätselte ich bis heute. Als ich am Tag seiner Beerdigung über den Friedhof ging und ich den frühlingshaften, sonnigen Morgen sah, war für mich unbegreiflich: Der Freund würde (wollte) dies nicht mehr erleben. Und auch die vielen Ereignisse und Veränderungen in den folgenden Jahren, die ich seit dem Tod von Arno erlebte, „verpasste“ er. Ich dachte nicht selten daran, was ich noch erleben „durfte“. In vielerlei Hinsicht hatte ich nun ein erfülltes Leben und da konnte ich nicht begreifen, dass Arno diese Chancen verpasst hatte und dies alles nicht mehr erleben konnte (wollte).
Der Tod als Herausforderung auf die Frage: Was ist lebenswert? Der Tod entfernte sich wieder aus meinem Bewusst-sein und kam lediglich mittels des gesellschaftlichen Themas Sterbehilfe zurück. Beim Thema Sterbehilfe war der Tod aber theoretisch und abstrakt in vermeintlicher Zukunft - als Abschluss des Sterbewegs und Endpunkt des Alterungsprozesses:
► Gibt es neben dem Recht auf Leben auch ein Recht auf ein (menschenwürdiges) Sterben? ► Unter welchen Bedingungen möchte ich selbst (noch) weiterleben („müssen“)? ► Wann gilt das eigene Leben für mich (noch) als lebenswert? ► Mit welchen mentalen oder körperlichen Beeinträchtigungen könnte ich mir vorstellen zu leben?
Ergebnis: Ich wollte nicht an Maschinen dahin vegetieren und auf die Würde der eigenen Persönlichkeit verzichten. Spätestens im Jahr 2035, wenn ich alt sei, aber gerade noch über mich selbst bestimmen könne, wollte ich selbst „Schluss“ machen. Lebenserhaltende Maßnahmen für mich seien nur akzeptabel: Wenn ich zukünftig schon nicht mehr produktiv sein könnte (z. B. Schreiben am PC), dann sollte es wenigstens für mich die realistische Chance eines passiven Erlebens des Meeres geben („Ich fühle, also bin ich“), was ich schon immer sehr genossen habe. Ansonsten wollte ich nur noch schmerzfrei, zumindest schmerzlindernd bis zum Eintreten des biologischen Todes medizinisch versorgt werden.
Aber ich erinnere mich auch, dass sich die Antworten auf das, was man (ich) für sich als lebenswert ansieht, entsprechend der eigenen veränderten Lebens-situation ändern. Wen man vorher noch häufiger von einem „später mal“ sprach, dann sind – je älter man wird - nicht mehr die nächsten 30 Jahre im Visier, sondern die nächsten drei oder vier; selbst in einem Lebensalter zu, in dem man davon ausgehen kann, die nächsten 40 Jahre sicher zu erleben.
Angst vor dem physischen Verschwinden- Altern Mit dem sichtbaren Altern in der Lebensmitte zeigte sich deutlich, dass die noch kommende Lebenszeit ein wahrscheinlich kürzerer Zeitraum als der bereits gelebte Abschnitt sein würde. Mir wurde auch in Reflexion mit anderen wie Sascha E. klar: Das Leben geht jetzt eben nicht mehr einfach so selbstver-ständlich weiter wie es früher weiter gegangen war. Es kam, was kommen musste und bei Männern – auch jobbedingt - umso härter trifft: die Midlife-Crises und mit ihr die resümierende Frage: Was kommt?
Zunächst war ich zwar zurück schauend für das bis dato erfüllte Leben dankbar. Aber das Altern war von nun an als absehbarer körperlicher Abbau unauf-haltsam. Und so kam - wie aus heiterem Himmel – der Gedanke, der mich gruselte: Die Vorstellung, irgendwann nicht mehr „da“ zu sein. Würde es also sein wie vor der Geburt?
Vor der Geburt war man noch nicht im Leben, hatte noch keine Silbe gesprochen, vielleicht gerade die ersten Monate im Körper der Mutter nonverbal kommuniziert, aber sicherlich nie reflektiert, nirgendwo agiert, nichts aufgebaut oder zerstört. Aber danach? Würde es sein wie in der Zeit vor der eigenen Geburt, wo es einen nicht gab? An diese Zeit konnte man sich nicht "erinnern" und doch war sie eindeutig existent. Aber nach der Geburt hatte es – anders als davor – ein eigenes Leben gegeben, in dem man sich reflektierte (Descartes’ : „Ich denke also bin ich“), sich Lebensziele setzte und versuchte, so weit möglich, seinem Sein einen Sinn zu geben.
Der Tod als Sinnstifter für den „Sinn des Lebens“ Nachdem ich Lehrer geworden war, fragte mich Schüler Thomas E. in einer der nachdenklichen Unterrichtsstunden: „Aber dann sagen Sie mal, was ist denn dann der Sinn des Lebens?“ Bei der Antwort kam ich ins Schlingern. Dabei steht die Frage an sich mit jeder Geburt im Raum. Für Atheisten scheinen neuere wissenschaftliche Forschungen vielleicht Verblüffendes zum Vorschein bringen. So gibt es die These, dass mit den Genen nicht nur körperliche Erbinformationen von Generation zu Generation weiter gegeben zu werden, sondern vielleicht sogar Informationen, die auf die Art der Lebensweise der Nachfahren Einfluss haben. So wird auf den zweiten Blick die existentielle Sinnfrage des Individuums berührt. Was bleibt dann aber von Menschen wie mir, die ihre Gene biologisch nicht weitergeben? Vielleicht lautet die Antwort, dass dieses „Problem“ durch einen wirkenden Einfluss auf seine Mitlebenden gelöst wird (z. B. durch Lehre, Erziehung, Kunst). Als „Sinngebung“ schlussfolgert der römische Dichter HORAZ (65 - 8 v. Chr.): ,,Carpe diem" - nutze den Tag. Der Mensch solle die ihm bleibende Zeit nutzen. So schreibt auch Camus im "Mythos des Sisyphos", dass der Mensch sich bemühen sollte, ein möglichst langes und ausgefülltes Leben zu führen, ungeachtet dessen Sinnlosigkeit (Absurdität).
Was kommt danach: Ist der Tod nun endgültig oder Übergang zum nächsten Leben? Historisch ist die Menschheit in Relation zu der langen Erdgeschichte nur ein Bruchteil im Universum. Trotzdem begannen bereits die Menschen in der Frühzeit sich über den Tod als sicheren finalen Punkt Gedanken zu machen und beim modernen Menschen ist in diesem Zusammenhang auch der Wunsch nach Zeitreisen entstanden (vgl. dazu: Hawking). Denn die Menschen sind sich selbst bewusst, Zeit-Wesen zu sein. Und diese Zeit wird durch den Tod begrenzt. Aber folgt etwas der eigenen Lebenszeit? Was?
SOKRATES (469-399 v. Chr.) lässt beide Grund-haltungen gleichermaßen gelten, was nach dem Tod sei. Der Tod könne nur zweierlei bedeuten: ,,Entweder ist er ein Nichts-Sein, so dass der Tote auch keine Wahrnehmung mehr von irgendeiner Sache hat, oder er ist, wie die Überlieferung sagt, ein Übergang und eine Übersiedelung der Seele von dieser Stätte an eine andere."
Religion als Trost Bereits vor 60.000 Jahren war das Wissen um unser Ende fest in der menschlichen Vorstellung verankert. So waren religiöse Gedanken eine häufige Konsequenz dieser gedanklichen Auseinandersetzung:
"Wie durchgängig in der Natur jedem Übel ein Heilmittel, oder wenigstens ein Ersatz beigegeben ist", so SCHOPENHAUER, "verhilft dieselbe Reflexion, welche die Erkenntnis des Todes herbeiführte, auch zu metaphysischen Ansichten, die darüber trösten, und deren das Tier weder bedürftig noch fähig ist."
Heutige Weltreligionen versprechen zur geistigen Befriedigung des menschlichen Selbsterhaltungstriebs eine „Unsterblichkeit“ und sprechen unterschiedlich z. B. von Wiedergeburt, Übergang ins Jenseits oder ewigem Leben im Paradies – zwar nicht im selben Körper, aber in Bezug auf unsere Seele.
Religionskritiker FREUD (1856 -1939) ist im Gegensatz zu den Religionen der Auffassung, dass alles Leben letzten Endes ein Leben zum Tode sei und dass das destruktive Material des Menschen immer auch in einem besonderen Naheverhältnis zum eigentlichen Lebenstrieb stehe. Demnach gibt es kein Leben ohne den Tod, keine Liebe ohne Hass, keine Lust ohne Schmerz. Darauf beruht auch das philosophische Prinzip des Dualismus. Es besagt, dass nichts ohne Gegensätze existiert: „Wer weiß was schmerzlos ist, muss wissen was Schmerz ist, sonst kann er schmerzlos nicht begreifen."
Ohne Winter gibt es kein Frühlingserwachen gibt, ohne Nacht keine Morgenstimmung -"symbolischer Dualismus":
(Filmausschnitt oben: „Soilent Green“ mit der Musik: "Morgenstimmung" aus Edward Griegs „Peer Gynt“, Suite Nr. 1, op. 46) .
Das Leben und der Tod bedingen einander also. Ohne den Tod wäre auch kein Leben möglich. So ist biologisch ständiges Sterben notwendig (zum Beispiel das Absterben von Zellen), um das Leben im Körper zu erhalten.
Für SOKRATES ist es auch gewiss: Der Tod habe nichts Schreckliches an sich. Egal, ob er ein Nichts-Sein, ein traumloser Schlaf, ein Ausruhen von diesem Leben und damit angenehm oder ein Übersiedeln der Seele an einen anderen Ort sei: In beiden Fällen ist der Tod für Sokrates demnach wünschenswert und gut - und gibt dem Leben einen Sinn.
Zusammenfassung: Nachdenken über das Unvorstellbare? Sucht man bei Gelehrten in verschiedenen Jahrhunderten nach Antworten so scheint ein Gruseln beim Gedanken eines Rückfalls in eine Zeit vor der Geburt unbegründet: "Nach dem Tod ist es wie vor der Geburt. Da ist nichts, nichts vor dem wir uns fürchten müssten". Dieses Zitat aus meiner Blog-Überschrift wird Mark Twain zugeschrieben und es beruhigt genauso wie EPIKURs (342 - 271 v. Chr.) Aussage, nach der die Beschäftigung mit dem eigenen Tod paradox sei:
„So lange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr." Was folgt daraus? KIERKEGAARD (1813-1855) schlug vor, dass wir uns selbst außerhalb stellen sollten um den Schmerz zu meiden, den der Tod uns bereiten würde. Das einzige, was wir gegen den Tod „tun" könnten, sei ein Leben zu führen, für das wir uns nicht vor uns selbst genieren müssen. Der Gedanke an den Tod beinhalte aber die Chance, dass er uns ermögliche die Kürze des Lebens zu erkennen und dieses weitgehend zu optimieren:
„Langwierige und ausschweifende Gedanken um den Tod sind letztlich kontraproduktiv, denn die Ungewissheit besteht in jedem Augenblick, das Ungewisssein, wann der Hieb fällt - und der Baum. Wenn er aber gefallen ist, so ist es entschieden, ob der Baum gute Frucht gebracht oder faule Frucht."
Wieder in Spanien - sogar das Wetter spielt mit (wo es letzte Woche noch Überschwemmungen in Nordspanien gegeben hatte ...). Schöne Grüße!
Wenn es mit dem Buchvertrag klappen würde, wollte ich als Belohnung für die Arbeit von dem Geld am Ende des Sabbatjahres noch mal nach Spanien und in die USA. Abschließend hat nicht nur das mit dem Buch geklappt. Auch eine neue Stelle habe ich, so dass wir im Juli nach Mykonos fliegen, bevor es dann im August 2008 mit Elan in den neuen, besser bezahlten Job geht.
Mein Hotel an der Strandpromenade und Ausblick von meinem Zimmer
Oft ist es so, dass anderen das Wesentliche schneller auffällt als einem selbst. So sprachen mich jetzt auch viele an, dass mein Sabbatjahr nun schon fast "rum" sei.
Im Unterschied zum Beginn des Sabbatjahres, als die freie Zeit für mich endlos zu sein schien, wird mir erst durch den Blick auf die restlichen "Termine" deutlich, wie nah der Übergang zum Schulbeginn und damit das Ende meiner Auszeit ist:
► morgen (15.05.): Fahrt in die Schweiz
► Mi., 04.06. (-17.06.): Sitges / Spanien
► Mi., 18.06. (-03.07.): San Francisco / Kalifornien
Heute ging es in die KZ-Gedenkstätte Moringen. Dort wurde u. a. die berühmte "affengeile" Lotti Huber gefangen gehalten. Schon 10 Jahre ist es nun her, dass sie am Pfingstsonntag gestorben ist (hier gibt es mehr Informationen zu -> Lotti Huber).
Im Torhaus: Dr. Dietmar Sedlaczek, Leiter der Gedenkstätte
Modell des Konzentrationslagers und Eingang heute
Friedhof von Moringen
Es passt zwar nicht so ganz zum Gedenkstättenbesuch, aber berichten möchte ich euch an dieser Stelle: Ein Teilnehmer-Kollege meinte während des Ausflugs, ich sähe Julian Nida-Rümelin (Kulturstaatsminister unter der ersten Regierung Schröder) ähnlich. Nun ja, (k) ein Kompliment, oder?
Von Hamburg fuhr ich zum Waldschlösschen zum Lehrer-Pfingsttreffen. Dem Sabbatjahr sei Dank: endlich konnte ich mal früh und ohne Stress ankommen. Sonst bin ich immer nach Schulschluss ins Pfingstwochenende gehetzt. Wie immer gab es abends die Vorstellungsrunde und das Kennen lernen der Teilnehmer.
2. Tag.
Morgens wurde "aus der Schule geplaudert" (in Kleingruppen). Meine Gruppe leitete Detlef Mücke, der seine langjährige Erfahrung auch aus der Leitung der GEW-Rechtsschutzstelle unterstützend einbrachte.
Nachmittags nahm ich an Arnims Workshop teil: "wenn es ein Mittel gäb..." - Juchhu, es gibt ein Mittel: Hetracil!(*siehe dazu: Hinweis unten*)
Abends gab es Karaoke und "Powerpoint-Karaoke".
Karaoke-Abend...
...und Mann an der Technik.
(*Achtung, Hinweis zu "Hetracil": die Internetseite gibt es, aber es handelt sich um ein Fake!)
Weiter ging es heute mit meiner nordischen Verwandtschaftstour. Ich "enjoyte" die Fahrt und die netten Besuche bei den Verwandten, die ich schon so lange nicht mehr getroffen habe.
Wismar hat sich rausgeputzt - nur noch Reste aus DDR-Zeiten: Straßenlaterne
Erinnerungen an Besuche in der Kindheit: Platz des Friedens/ Wismar
Blick in Foto-Alben: Familien-Herkunft Tilsit / Memel
Wasserturm Tilsit
die damalige Schule
Abschluss der Rundreise: Ostsee bei Wohlenberg/Wismar
Na ja, freut der sich über ein Wiedersehen der Gäste? (leicht verkrampftes Werbelächeln, gesehen in Mecklenburg)
Königsburg/Krefeld: in dieser Nacht wurden alte Zeiten neu aufgelegt von "DJ Helmi" (heute "Helmut"). Da erinnerte man sich gern an frühe Auftritte von "Willi Wunder" (Dirk Bach) und letzte Auftritte von Grace Jones und Hildegard Knef.
Der unsägliche olympische Fackellauf zeigt, wo ich bald wieder sein werde: in San Francisco.
Die weiteren Stationen im letzten Teil des Sabbat-jahres: Ich werde noch einmal nach Spanien fliegen und vorher in die Schweiz fahren - und vielleicht schaffe ich ja auch noch meine "Nord"-Tour, bevor das Sabbatjahr zu Ende geht.
Neue Schule! *freu* Das hätte ich nicht erwartet, dass es im Sabbatjahr noch einmal diese Über-raschung gibt: Heute habe ich hier (s. u.) den Vertrag unterschrieben.
Vor einer Woche noch Schnee in Köln. Und jetzt endlich der Frühling.
Während wir nachts Berlin unsicher machten, konnten wir tagsüber die erste richtige Sonne erleben. Guido meint, ich solle erwähnen, dass wir die „wilden Hühner“ trafen – und „Hanni und Nanni“ waren auch dabei (Insider!).
Kanzleramt im beginnenden Frühling
Reichstagsgebäude (Vorder- und Seitenansicht)
Werbung am Reichstag: Magersucht oder Indie-Style?
Touri-Treff Brandenburger Tor
Apropos „wilde Hühner“: hier, in meiner Berliner Herberge (s.o.) wohnt auch ein Schauspieler – wenn er in Berlin ist. Ich verrate nur: „T.S.“ .
So sah es noch vor einer Woche aus: winterliches Hahnentor/ Köln-Rudolfplatz
Heute Abend gehe ich mit Jörg B. zur Lesung im Mediapark. Verena Carl liest aus ihrem Roman "Irgendwie irgendwann". Von 23 Uhr an könnt ihr hier live digital mithören.
Während draußen ein Sturmtief das nächste über Europa treibt, konnte ich gemütlich in einem großen Stapel alter Tagebücher lesen. Erinnerungen, die längst vergessen schienen, wurden geweckt.
Ich fand Zettel, die wir uns im Unterricht geschrieben haben, Bewertungen von Lehrern und Kritik an ihnen, Äußerungen von Klassenkameraden sowie die kleinen und großen Skandale.
Gerade aus der Sicht eines heutigen Lehrers waren für mich viele Eintragungen über die eigene Schulzeit und den Unterricht authentisch. Aber manchmal las ich auch Überraschendes über mich als Schüler. Diese zum Teil sehr amüsanten Erinnerungen werden vermutlich im kommenden Herbst noch einmal neu aufgefrischt beim nächsten Klassentreffen ...
Klassenfoto 10. Klasse
Schulaufführung "Das letzte Gleichnis"
Klassenfahrt nach Lenggries
(Doppelklick unten links: Musik-Clip - nicht gerade zur Freude des Englisch-Lehrers)
Grüß euch! Was war das eine Freude heute Morgen! Ganz herzlichen Dank in die Schweiz.
Das Shirt werde ich dann zur EM tragen. Aber macht euch keine Sorgen um mich, wegen der deutschen Hooligans: 1. seid ihr ja keine ernsthafte Konkurrenz für "uns" und 2. bin ich im Juni wieder in den USA. Grüezi!
Der Grund, warum wir Schaltjahre haben und daher den nächsten "29.02." erst im Jahr 2012 haben, ist ja hinlänglich bekannt: Es geht zurück auf den Julianischen Kalender (nach Julius Caesar) in der Antike. Ab 45 v. Chr. galt im Römischen Reich das "Julianische Jahr" mit zwölf Monaten und abwechselnd je 30 bzw. 31 Tagen, zusammen also 365 Tagen in einem Kalenderjahr. Der notwendige Schalttag wurde dem Februar zugeordnet.
Den Julianischen Kalender haben wir längst nicht mehr ... Da das "Julianische Jahr" gegenüber dem Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang war, führte dies im Mittelalter zu einer zunehmenden Abweichung des Kalenderjahres vom Sonnenlauf, die im 14. Jahrhundert schon mehr als sieben Tage betrug.
Deshalb führte Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 den Gregorianischen Kalender mit einer verbesserten Schaltregel ein. Da der neue Kalender vom Papst eingeführt wurde, benutzten ihn zunächst nur die römisch-katholischen Staaten. Die meisten protestantischen Staaten behielten den Julianischen Kalender bis ins 18. Jahrhundert bei.
Russland führte den Gregorianischen Kalender sogar erst nach Gründung der Sowjetunion im 20. Jahrhundert ein. Deshalb auch der für Mitteleuropäer verwirrende Name der "Oktoberrevolution", die nach "unserem", also dem gregorianischem Kalender am 4. November 1917 statt fand (in Russland, julianisch: 22.10.1917).
Aber wieso gibt es keinen 30.02.? Dies geht wieder zurück auf den Julianischen Kalender. Eine Theorie besagt, dass bei den Römern die Monate mit 31 Tagen als Glücksmonate, und die Monate mit 30 Tagen als Unglücksmonate galten. Da Kaiser Augustus aber nicht wollte, dass der nach ihm benannten Monat ein Unglücksmonat ist, entnahm er dem Februar einen Tag für "seinen" Monat.
Birgitte Birkvad (für DK bei der EU in Brüssel)Die niederländische Realität (Irene Leijten)Die norwegische Perspektive (Haldis Holst)
Haldis Holst wies auf die Erfahrungen der Gewerkschaft in Norwegen hin, dass die Mitglieder zwar verlangten, auf Mängel bei Ressoucen, Bezahlung und Status hinzuweisen, aber es schwieriger war, sie davon zu überzeugen, sich mit einem eigenen Beitrag zu mehr Qualität und besseren Arbeitsbedingungen zu verpflichten. Aber erst dann geschah die Anerkennung als ExpertInnen für pädagogische Qualität und Professionalität.
Die Nacht der Mondfinsternis. Nach und nach trat der Mond in den Erdschatten.
Das war erst einmal die Letzte von Europa sichtbare totale Mondfinsternis. Die nächste zur Gänze sichtbare wird erst am 28. September 2015 sein. Dazwischen gibt es auch noch einige, aber da geht der Mond verfinstert auf oder er geht verfinstert unter.
Auf der Suche nach Daten zur Mondfinsternis las ich eine Meldung, auf die man auch nicht alle Tage stößt:
Die Landung von Space Shuttle Atlantis öffnet am Mittwoch das Zeitfenster für den Abschuss des amerikanischen Spionagesatelliten USA 193.
Von den drei maximal möglichen Versuchen, den Satelliten mit einer Rakete zu treffen, sind zwei für Donnerstag (also heute) und Freitag jeweils um 4.30 MEZ vorgesehen. Das Pentagon begann Anfang Januar mit der Planung des Abschusses des großen Aufklärungssatelliten, der Ende 2006 gestartet wurde, aber nie in Betrieb genommen werden konnte . . . (Quelle: U.S. DoD/CalSky)
Mein Dank geht an: Patrick B., Jörg B., Margret D., Carsti G., Marko H., Nici und Pierre H., Stefan K., Christian K., Petra und Gerd K., Sonja M., Erika M., Gabi O., Siegfried und Helga P., Frederic-Léon, Holger und Andrea P., Lukas R., Dirk R., Michael St. und die Scholzenz.
Nachträgliche Gratulanten:
Farid G., Cord H., Frank L., Annemaria L., Petra P., Karsten R., Wünni, Simone Z.
Nachdem ich am Samstag tagsüber meine gewerkschaftliche Pflicht erfüllt hatte, konnte ich abends verdient ausgehen - in die Zeche Carl: „M…“.
Wieder eine herrliche Party mit den drei „M’s“: monosexuell, im besten Sinne des Wortes multikulturell und mit Herz. Sorry, Köln, da kannst du leider nicht mithalten, wie z.B. mit deiner parallel laufenden Veranstaltung im Bootshaus. Das Ruhrgebiet ist halt n starkes Stück Deutschland.
Für die Nicht-Kölner: Nach dem Volksglauben werden mit dem Verbrennen des Nubbels alle in der Karnevalszeit begangenen Sünden und Verfehlungen ausgetilgt.
Und: Am Aschermittwoch ist noch gar nicht alles vorbei … In der Nacht von Karnevalsdienstag auf Aschermittwoch geht es karnevalistisch weiter bis in den Morgen.
Wer ist schuld am vielen Kölsch und den falschen Schwüren...?"Dat wor der Nubbel!"
Dieses Jahr mal nicht zum Zoch. Et hätt all su schön sin künne, aber zum ersten Mal seit Jahren hat es richtig geregnet. Dann kam später halt nur die Kneipentour in Frage ... Kölle Alaaf!
Von Schönheit geblendet - oder war es doch nur der Blitz im Spiegel?
Wie meint der New York City–Zeitungsjunge das bloß? Politisch?
Hier kam es mir vor, wie bei meinen Reisen nach Indien und Sri Lanka: ich erinnere mich an die auffallend freundlichen, hilfsbereiten und warmherzigen Menschen
Fuer eine Woche Entspannung sind wir nach Palm Cove geflogen (s.o.), und es ist wie auf einer tropischen Suedseeinsel:
Einsam unter einer Palme am Strand liegen, auf den Pazifik schauen oder weitere ungewoehnliche Voegel oder Pflanzen entdecken. Nur zu zweit am Pool sonnen oder im Whirlpool relaxen (denn unsere Hotelanlage ist zu dieser Jahreszeit menschenleer - hier ist heute der erste Schultag nach den australischen Sommerferien). Ich kann mein drittes Buch von Frank McCourt lesen und dabei mein australisches Lieblingseis essen, Geschmack "Cherry Coconut with a chocolate biscuit base" (hmmm, lecker), bezeichnenderweise mit dem Namen "Slice of Heaven".
Wir waren schon am Riff schnorcheln und abends gehen wir gut essen (im Casmar, siehe unten: letztes Foto) oder wir fahren fuer einen Drink nach Cairns.
Und die naechsten Drinks gibt es erst wieder am Montag: Rosenmontag in Koeln!
Hotelpool (oben) und Wohnzimmer
Schnorcheln am Great Barrier Reef
Cairns: eine wahrhaft "oeffentliche Badeanstalt" an der Spitze des Ortes
direkt an unserem Hotel: "unser" Restaurant Casmar, Palm Cove
Trotz der Entfernung sind wir politisch gut im Bilde - sei es, was Kenia, Paris oder Berlin oder die Hessen-Wahl betrifft. Es gibt nur vier TV-Programme in Australien. Aber neben den Nachrichten von ABC, der australischen BBC, bietet SBS morgens mit "world watch" einen mehrsprachigen Querschnitt von internationalen Nachrichten-Sendungen aus Athen, Berlin (DW-TV), Dubai, Madrid, Moskau, Paris, Peking und Rom (RAI International, s.u.).
Foto unten: Carla Bruni und Sarkozy - ein Thema bei RAI wie bei DW-TV
Und fuer politisch wenig Interessierte: Hier laeuft im Free-TV, auf Channel "7" die neueste Staffel von America's Next Top Model. Und natuerlich bewegt die Medien besonders der Tod des australischen Schauspielers Heath Ledger ("Brokeback Mountain").
Der Australia Day ist Australiens offizieller Nationalfeiertag. Er erinnert an die Ankunft der First Fleet in Sydney am 26. Januar 1788.
Frueher wurde er - wie in den USA - am nächstgelegenen Montag gefeiert, um ein langes Wochenende zu ermöglichen. Heute wird er am tatsächlichen Jahrestag zelebriert. Witzigerweise wird an diesem Tag auch der Australier des Jahres gekuert. Wer wohl jaehrlich "Deutsche/r des Jahres" wuerde, wenn es das in Deutschland gaebe?
Von den Kritikern der Feierlichkeiten wird der Feiertag auch als Invasionstag fuer australische Ureinwohner bezeichnet und man kritisiert, dass der Tag letztlich die Unterwerfung der Aborigines feiert.
Ueber den Kontinent "Australien":
Wenn man es genau nimmt, stuende heute eigentlich der Antarktis der Name "Australien" zu. Lange vor der Entdeckung Australiens, seit der Antike, hatten Gelehrte im alten Europa die Existenz eines Suedkontinentes behauptet, der sich bis zum Südpol erstreckte. Die antike Theorie seit Claudius Ptolemäus besagte, es muesse als Gegengewicht zu den Landmassen im Norden der Erdkugel ein raetsel-haftes „Suedland“ vorhanden sein (lat. terra australis: „suedliches Land“). Antike und mittelalterliche Kartenzeichner trugen so in ihre Weltkarten einen fiktiven Kontinent bis zum Südpol ein.
Nach der Entdeckung Australiens vermutete man, dass es sich um diesen Sued-Kontinent, der bis zum Suedpol reicht, handeln koennte. Nachdem James Cook auch noch die heutige Antarktis umsegelt hatte und klar war, dass es keinen kompletten Suedkontinent gab, waere die Antarktis zwar der richtige Anwaerter fuer den Name "Australien" gewesen, aber da hatte sich bereits der Name fuer den heutige Kontinent ("Australien/Ozeanien") eingebuergert.
"Boh Boh" kommt aus der Sprache der Aborigines und heisst: "Auf Wiedersehen".
Aber heute sind wir nach 7000 Kilometern Rundreise durch Australien an unserem Zielort in Darwin angekommen. War's das nun? Nicht ganz. Nach dieser Reise durch Australien folgt jetzt der Badeurlaub und danach machen wir auf dem Rueckflug noch einen Stopover in Singapur.
Rotkreuz-Shop, Darwin
Und heute Abend gehts vielleicht noch aus... angepriesen wurde uns im Touristen-Magazin "Resident" der oertliche Throb-Club. Mal sehen: wenn ich dort ein gutes Foto mache, kommt es natuerlich hier noch nachtraeglich rein.
Nein, wir sind keine Stars, niemand braucht uns rausholen und wir sind auch nicht in DEM Jungle-Camp.;-) Statt dessen sind wir im klimatisiertem Hotel mit schickem Pool, aber eben auch im Regenwald Australiens, im Norden, im Kakadu Nationalpark.
Trotz der Vielzahl der Tiere sucht man vergeblich nach Kakadus; zumindest haben wir keine gesehen. Der Name "Kakadu" stammt naemlich von der frueheren Sprache der hier lebenden Aborigines - die hiess "Gagudju". Wie so Vieles der Aborigines-Kultur ist diese Sprache laengst verschwunden. Aber der Name fuer diese Region hatte sich laengst eingebuergert - hoert sich ja auch nett an.
Bei der Tour durch den Park muss man vorsichtig sein ...
nicht nur wegen der Krokodile, sondern auch wegen ueberfluteter Strassen ...
Und das gab es alles zu sehen - und noch viel mehr:
Ausserirdische lieben die Wueste. Das behaupte ich jetzt mal. Denn genauso wie in den USA hat auch Australien seinen UFO- und Aliens-Ort, der mitten in der Wueste liegt: Wycliffe Well. Angeblich besuchen an diesem Roadhouse die Aliens von Zeit zu Zeit uns Erdlinge. Auf wen die da wohl treffen?
links: "Ausserirdische," rechts: keine Ausserirdischen, sondern ein hollaendisches Paar, dass wir aus der Wueste mitgenommen hatten, nachdem ihr Auto liegen geblieben war. Merke: Handy-Empfang hat in der Pampa Seltenheitscharakter
Die ueberdimensionalen Granitkugeln, auch "Devils Marbles" (des Teufels Murmeln) genannt, sind eine heilige Staette der Aborigines. In ihrer Ueberlieferung sind die Steine die Eier der mythischen Regenbogenschlange.
Die Fahrt auf dem Highway 87 zwischen Alice Springs und Tennant Creek machte wenig Freude. Der Grund: die Road war gepflastert von toten Kaenguruhs (s. o.). Auch wenn es sich uebertrieben anhoert: diese Strecke war eine Slalomfahrt um Kadaver, an denen sich die Aasfresser zu schaffen machten. Umso verwunderlicher, dass ausgerechnet hier im Norden keine Hinweisschilder mehr auf kreuzende Kaenguruhs angebracht sind.
Hier Fotos von anderen Tieren, die unseren Weg (lebendig) kreuzten:
oben: Er lief zwar gemaechlich ueber die Strasse, aber es dauerte bis die Kamera gezueckt war... :-)
Ayers Rock ist aus der Entfernung wenig spannend. Erst aus der Naehe (s.u.) sieht man seine Besonderheiten.
Auffallend ist auch, dass sich das Personal hier weniger freundlich verhaelt als im Sueden Australiens. Dafuer sind dann die Preise hoeher, wie es sich fuer einen richtigen Touri-Ort gehoert.
Und gerade hier: warum beschaeftigt man in dieser Gegend keine Aborigines (nicht einmal im Cultural Info-Center), wo ein Veranstalter am Ort das Monopol besitzt?
"Stolz Aborigine zu sein" - aber ohne Job (oben: "Arbeitsagentur" in Alice Springs)
Die Australier ("Aussie") bezeichnen mit dem "Outback" Regionen, welche fernab der Zivilisation liegen. Es umfasst beinahe drei Viertel der Fläche Australiens und umfast die unterschiedlichsten Landschaftsformationen und Klimazonen. Man schätzt, dass das Innere Australiens seit ca. 50.000 Jahren von Aborigines bewohnt ist, die über eine Landbrücke aus Südostasien / Indonesien eingewandert sind.
Bevor es zu Ayers Rock geht, konnten wir in Wilpena Pound ausspannen. Einfach toll: Wer kann sonst schon abends im Restaurant speisen mit direktem Blick auf frei lebende Kaenguruhs?
Zum Ausspannen gehoerte fuer mich auch, dass ich endlich in Gerhard Schulzes "beste aller Welten" lesen konnte: Wohin bewegt sich die Gesellschaft im 21. Jahrhundert?
"Kaenguruh-Raeuber" an unserem Hotel in Wilpena Pound
Weiter ging es Richtung Norden nach Coober Pedy, DER Stadt der Suche nach Opalen.
Der Name "Coober Pedy" stammt von den Aborigines und bedeutet: "Weisse Maenner, die Loecher in die Erde graben". In diesen Loechern wurde nicht nur nur nach den Opalen gesucht, sondern man lebt dort - bis heute. So war auch unser Hotel im "Underground" (s.u.).
An der Kueste des Port Cambell - Nationalparks kommt man ueber die Great Ocean Road an den "Twelve Apostles" vorbei.
Dichtung ...
Wie man hier auf den Fotos (s.o.) - wie auch in jedem Bildband ueber Australien - sieht, beeindruckt die Natur alle Touristen mit der 70 Meter hohen Steilkueste.
... und Wahrheit
Die "Zwoelf Apostel" sind in Wahrheit nur zehn Steinsaeulen und zur Natur gehoeren an diesem Ort auch die enormen Fliegenschwaerme (s.u.), denen man ueberall auf der Route begegnet. Auf der Suche nach Feuchtigkeit fliegen sie permanent in Mund, Nase oder Augen.
An der Sandsteinkueste befinden sich auch die bogenfoermige Arch und die "London Bridge" (s. Clip, unten). Beruehmtheit erlangte die London Bridge, als einer ihrer zwei Boegen 1990 ploetzlich einbrach. Touristen, die gerade auf dem Felsen waren, kamen mit dem Schrecken davon.
"Gold hat Melbourne geschaffen." (George Sale, 1885) Heute dominiert der Konsum die Stadt - und so waren auch wir fleissig shoppen (s. o.). Und mit Temperaturen um 36 Grad am Tag und noch 29 Grad in tiefster Nacht bekamen wir in Melbourne einen Vorgeschmack auf 45 Grad im Outback.
Captain Cook 's Cottage - das Elternhaus von Captain Cook, das aus Yorkshire nach Melbourne transportiert und wieder aufgebaut wurde
Der Aussie-Spruch stimmt: "Das beste an Canberra ist am Freitag Nachmittag die Maschine nach Sydney!"
Architektonisch interessant ist lediglich das Parliament House (s. o.). Die urspruengliche Huegelkappe des Capital Hill wurde abgetragen, um Platz fuer Parlament und Regierungssitz zu schaffen. Man kann das begruente Grasdach besteigen, auf dessen Gipfel der 81 Meter hohe Flaggenmast ragt, an dem die australische Flagge mit dem Sternbild vom Kreuz des Suedens weht.
Fuer die Daheimgebliebenen gibt es heute eine Urlaubs-Episode, die unter die Kategorie "Grund zur Schadenfreude" faellt:
Unser Reiseveranstalter ADAC/DERTOUR hat fuer die Australienreise alle Hotels fuer uns vorgebucht. Dass dabei manchmal Hotels vom Katalog abweichen, das kann passieren. Dass ADAC/ DERTOUR aber unseren Strandhalt in Lakes Entrance (s.o.) kurzerhand und kommentarlos um 150 Kilometer ins Landesinnere nach Traralgon (s.u.) in ein anspruchsloses Motel verlegt ist ungewoehnlich. Denn immerhin heisst unsere Rundreise offiziell: "Die Suedkueste und das Outback".
Markant ist, was der Reiseveranstalter in seinem Ausdruck an uns ueber den Ort schreibt:
"Traralgon, 50 km weiter westwaerts [vom Ort Sale] auf dem Princess Highway, lebt ebenfalls von der Energiewirtschaft, wie das maechtige Loy-Yang-Kraftwerk unuebersehbar beweist. ueberdies ist Traralgon (knapp 20000 Einwohner) auch ein Zentrum der Papierverarbeitung, was zwar weniger ins Auge faellt, aber bisweilen in der Nase sticht." Noch Fragen?
Post Office in Traralgon
Unser erstes Kaenguruh ...
Kaenguruh (fotografiert auf Phillip Island)
Unser kleiner Abstecher gleich am ersten Tag der Autotour, abseits vom Highway durch den Morton Nationalpark zwischen Nowra und Braidwood, war halsbrecherisch und aufregend zugleich. Obwohl auch unser Mietwagen gelegentlich ins Rutschen kam, blieb uns ein Unfall erspart. Davon sahen wir aber genug, selbst umgestuerzte Unfallwagen, die in Schluchten auf dem Autodach lagen.
Andererseits sahen wir hier schon unsere ersten Kaenguruhs!
Hiermit schicken wir euch einen ersten Urlaubsgruss aus Australien! Die Stationen unserer Rundreise seht ihr oben. Nicht abgebildet ist der anschliessende Bade-Urlaub.
Silvester im All? Halbwegs. Morgen fliegen wir um 23.30 Uhr nach Australien (Rückkehr: Karnevals-sonntag, 03.02.08). Ab Frankfurt können wir deshalb eine halbe Stunde später unter dem Sternenhimmel europäische Neujahrsfeuerwerke sehen – gutes Wetter und einen pünktlichen Abflug vorausgesetzt.
Für uns ein ungewöhnlicher Rutsch ins neue Jahr. Obwohl wir Silvester schon an den unterschiedlichsten Orten verbracht haben: in Berlin, die Millenniumsfeier auf dem Times Square in New York, in Disney Paris, mit Freunden in Köln am Rhein, gemütlich im Bett und nun also in der Luft.
Ihr hört von uns aus dem australischen Sommer! :-)
Dieses Jahr gibt es meinen Weihnachtsgruß als persönlichen kleinen Youtube-„Musik“-Clip:
Selten bin ich an den Weihnachtsfeiertagen online, denn - wie jedes Jahr - bin ich zu Weihnachten familiär viel unterwegs bin. Ich freue mich trotzdem über Weihnachtsgrüße – per E-Mail oder direkt aufs Handy.
Schön war die Zeit beim Musiksender … Und da Musik ein fester Bestandteil unseres Lebens ist - hochtrabend ausgedrückt: Musik als Teil unserer (Erinnerungs-) Kultur - habe ich (genauso wie in San Francisco) mindestens zwei Songs, die mich be-sonders stark an meine Zeit bei RTL Radio erinnern werden: James Blunt "1973" und Ich & Ich mit "Stark" .
(* Erklärung der Überschrift: „Äddi“ = luxemburgisch für Adieu, Tschüss, Ciao…)
Aus Spaß am Job: zum „Beatles - Wochenende“ hatten sich die Moderatoren Jule Werner und Jan Seifert (beide: siehe oben) in einigen Nachtschichten bestens vorbereitet. Ob das der / die Hörer (-in) zu schätzen weiß? Hoffentlich!
Gestern war die große Weihnachtsfeier für die Beschäftigten bei der RTL-Group mit dem Thema "Stars" (Einladung: siehe oben).
Schon vor über einer Woche warf dieses Fest seine Schatten voraus: in Form einer Halle, die zwischen die Gebäude der RTL-Group auf dem Kirchberg in Luxemburg gesetzt wurde.
Entrée ...
Beim Auftritt von “Claude Francois” (s.o.), dem bei Luxemburgern bekannten Chansonnier, der vor fast zwanzig Jahren verstorben ist, hielt es niemanden des französisch sprechenden Publikums mehr auf den Stühlen.
Das nächste Wochenende verbringe ich wieder komplett im Großherzogtum. Bis zum Ende der nächsten Woche bin ich täglich bei RTL eingesetzt und an diesem Wochenende habe ich wieder Frühschicht. An einem Samstagnachmittag fuhr ich bereits einmal ins Stadtzentrum- und war erstaunt, wie wenig dort los war. Meine KollegInnen berichteten mir, dass abends in Luxemburg die Bürgersteige hochgeklappt werden. Resümee: Luxemburg – hier ist der Hund begraben.
Sicher, man kann in die Schluchten zum Flüsschen Alzette schauen und erahnen, wie schwierig früher der Angriff auf die Burg war – bis zum Schleifen der Burg als Folge der Luxemburgkrise von 1867 (vor dem deutsch-französischen Krieg 1870/71). Touristisch und historisch ist Luxemburg daher für eine Tagesfahrt interessant. Mehr nicht. Jedenfalls nicht in dieser Jahreszeit. Neben europäischen Institutionen wird Luxemburg als internationaler Finanzplatz heute von Bankern dominiert.
Blick auf die Burg Lucilinburhuc auf dem Bockfelsen im Alzettetal
Zurzeit, als ich Echternach gerade „besuche“, ist auch dieser Ort ziemlich leer gefegt. Als typischer kleiner Touristenort steigt die Bewohnerzahl im Sommer erheblich an – laut eigenen Angaben der Stadt von derzeit 5.000 auf 15.000, insbesondere wenn 12 -14.000 Pilger alljährlich am Pfingstdienstag den Ort zur berühmten „Springprozession“ heimsuchen. Denn neben dem in der Nähe befindlichen Kriegsschauplatz in den Ardennen (Westwall / Zweiter Weltkrieg) ist Echternach geschichtsträchtig mit seinem Benediktiner-kloster aus dem Jahre 698. In der Basilika von Echternach wird der heilige Willibrord verehrt, dem auch die Echternacher Springprozession gilt. Die Abgeordneten-Kammer in Luxemburg hat beschlossen, die Aufnahme der Prozession zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe zu beantragen.
Basilika
Grab des Heiligen Willibrord
Steinsärge des ausgehenden 7. Jahrhunderts in der karolingischen Krypta
Rückkehr in mein Hotel – in die „BRD“. Die Landesbezeichnung ist wohl nicht ganz „Pii-ciii“ („politisch korrekt“) für einen befreundeten Nachbarn. Stand das da auch schon vor 1989?
Heute waren wir auf einer Vernissage eingeladen. Birgit Klinger stellte ihre Fotos aus über "Aotearoa ... das Land der langen weißen Wolke". So nannten die Maori Neuseeland, als sie dieses Land erblickten, weil ihnen die lang gestreckten Föhnwolken als erstes auffielen.
Birgit und Kerstin Lass waren im letzten Winter für drei Monate in Neuseeland und berichteten bei der Eröffnung der Fotoausstellung anschaulich über ihre Erlebnisse und mit viel Detailkenntnis aus den Erzählungen der Maori.
Neuseeland ist zwar nicht Australien, aber Vieles machte uns schon mal einen Vorgeschmack auf unsere Reise ab 31.12.: auch 24 Stunden Flugzeit, Autofahren im Linksverkehr, ein Sommerurlaub im europäischen Winter, die Weite des wenig besiedelten Landes und überwältigende Landschaften.
Die Foto-Ausstellung ist bis zum 27.01.2008 im Art of Caffee, Gottesweg 20 in Köln-Zollstock zu sehen. Außerdem bereiten Kerstin und Birgit eine eigene Website über Neuseeland vor.
Damals: "meine Kiwis" in Bombay (heute: Mumbai) / Indien. Was wohl die neuseeländischen Freunde heute machen?
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... und am gleichen Abend waren wir heute noch bei "Nabucco" - liebe Andrea, Danke für die Karten!
- Aber ein Foto, auf dem du wirklich zu sehen bist (siehe deine Kommentar unten), hatte ich nicht ....
Sommerurlaub im tiefsten Norwegen. Für mich die bis dahin weiteste Autoreise mit der Familie. Ich war
9 Jahre alt und mir schien Deutschland sehr weit weg. Wir waren durch Deutschland und Dänemark gefahren, hatten auf einer Fähre in einer Kajüte wie im Hotel geschlafen und eine ganze Nacht brauchte die Fähre bis wir Norwegen erreichten. Und dann mussten wir noch mal ein Stück fahren, bis wir endlich an unserem Ziel ankamen: einem abgeschieden gelegenen Ferienhaus am See.
Irgendwann in diesem Urlaub saß ich am Radio, das wir von zuhause mitgebracht hatten. Vielleicht regnete es an diesem Tag und wir konnten deshalb nicht angeln. Jedenfalls saß ich am Fenster in unserem heimeligen Blockhaus und kurbelte am Sendersucher des Radios herum. Und ich war sehr überrascht, ja fasziniert, als ich plötzlich in diesem fremden Land mit dieser komischen Sprache über Kurzwelle einen deutschsprachigen Sender in bester Qualität empfing. Als wäre das Ereignis gestern gewesen, so schwingt noch heute der Ton von damals in meinem Ohr, wie ABBA erst „Honey Honey“ singen und dann eine Stimme sagt: „Hier ist das deutschsprachige Pro-gramm von Radio Schweden.“ Ich war beeindruckt, dass die Radiotechnik uns in unserem einsamen norwegischen Holzhaus den Kontakt zum Rest Welt herstellte. Man muss vielleicht dazu sagen, dass dieses "Schlüsselerlebnis" in einer Zeit passierte, in der Satellitenfernsehen Zukunftsmusik war (TV hatten wir in diesem Ferienhaus sowieso nicht), Handys zu Science Fiction gehörten wie Scotty und Kirk zu Raumschiff Enterprise und niemand an mögliche Kommunikation via Internet dachte.
In Folge des Urlaubserlebnisses wollte ich unbedingt genau wissen, wie das alles funktionierte. Ich stöberte im folgenden Herbst in der örtlichen Bücherei und wurde fündig: Ich fand den „Genfer Wellenplan“ (einen ganz dicken Wälzer) mit aktuellen weltweiten Radiofrequenzen der Kurzwelle, um andere deutsch-sprachige Programme aus fernen Ländern einzu-fangen.
Post: Deutschsprachige Programme auf Kurzwelle
Ich erfuhr, dass Kurzwellen - von der Erdatmosphäre reflektiert - einmal um den ganzen Erdball gehen können und dadurch für Menschen auf der anderen Seite des Planeten dann wieder hörbare Signale entstehen. Oder dass entfernte Sender über Mittel-welle erst in der Dunkelheit zu empfangen sind, die man bei Sonnenlicht nicht hören kann. Nicht selten quälte ich mich in der dunklen Jahreszeit durch quietschende, pfeifende und schwankende Töne im Radio, um wieder einen neuen Sender zu entdecken. Im Laufe der Zeit sammelte ich einige Sender, deren deutsches Programm ich verfolgte – und wenn es wie Radio Peking ganz weit entfernt war, war ich be-geistert. Und Radio hatte auch dunkle Geheimnisse: Ich hörte ich die gesprochenen Geheimdienst-Ansagen: „sieben neun drei fünf zwei…“ usw., die damals tatsächlich verschlüsselte Botschaften für Spione im Feindesland waren (erinnert sich jemand von euch noch daran, dass es das einmal wirklich gab?). Radio fand ich darum spannend.
Ferienfreizeit auf Sylt - "Der erste Kuss": Ich gehe davon aus, dass dieses Foto für einige Weblog-Leser interessanter ist. ;-)
Das war aber bisher nur der halbe Weg zum dies-jährigen Radiopraktikum ... Dazu trug noch ein weiterer Urlaub trug bei. Als ich auf meiner ersten Ferienfreizeit in Keitum / Sylt an Lungen-entzündung erkrankte, musste ich auf die Kranken-station. Um mich nicht zu langweilen, konnte ich mir in der Hausbibliothek Bücher entleihen. Dort entdeckte ich ein Buch, das die Geschichte erzählte, wie Jugend-liche einen Piratensender gründeten. Ich verschlang den heiteren Jugendroman und dabei entstand wohl die Idee, selbst einmal „Radio“ machen zu wollen. Und der Roman faszinierte mich besonders deshalb, weil er realistisch schien: Denn ich wusste, dass es in der Wirklichkeit Piratensender gab. Vor der holländischen Küste hatte ein erfolgreicher Sender namens Veronica gesendet– außerhalb niederländischer Hoheits-gewässer.
2007: Sendeanlagen für die Kurzwelle bei Junglinster / Luxemburg
Und mit Radio Luxemburg gab es auch ein deutsch-sprachiges Radio, das so etwas wie ein Piratensender war. Mit Sendeanlagen auf Luxemburger Staatsgebiet umging RTL mit seinen „vier fröhlichen Wellen“ deutsche Gesetze, die zu dieser Zeit Privat- und Werbefunk verboten. Wie viele andere Jugendliche schaltete ich den öffentlich-rechtlichen Biederfunk ab und lieber RTL ein. Bei uns zuhause gab es sogar ein Radiogerät mit „Radio Luxemburg“-Taste und so hörte ich alle Größen, die heute zu den Klassikern des deutschen Radios gerechnet werden. Nicht selten verfolgte ich auch im Anschluss an das deutsche Programm ab 19 Uhr das internationale Programm, wodurch sich eine Brieffreundschaft zwischen mir und einem Mädchen in Norwegen sowie einem Jungen in Südkorea ergab.
Düsseldorf: RTL-Veranstaltung zum Internationalen Tag des Kindes
Auch später, als ich „keine Zeit“ mehr hatte, um zu Hause am Radio zu spielen, hörte mein Interesse an Rundfunk nicht auf. Beschränkend fand ich als NRW-Bürger dabei, dass Radiohörer im zentral gelegenen Ruhrgebiet über Jahrzehnte auf den UKW-Frequenzen in einem Tal der Ahnungslosen saßen – man konnte fast nur WDR-Sender empfangen (abgesehen von BFBS). Begeistert war ich dann Anfang der 80er Jahre, dass die günstige Lage unseres Wohnhauses gerade noch den Empfang von einem Sender wie Radio BENELUX ermöglichte. Erst ein Jahrzehnt später wurde in Nordrhein-Westfalen Privatfunk erlaubt. Vom Format der streng reglementierten „NRW-Lokalradios“ war ich allerdings wenig begeistert. Dafür vergrößerte sich zu gleicher Zeit wenigstens die Sendervielfalt durch Kabelanschluss.
So weit zum Ursprung, wie meine Liebe zum Radio und zu Kommunikationstechnik entstand. Heute, über weitere zehn Jahre später scheint dank digitaler Technik und Internet die Vielfältigkeit von Radio grenzenlos. Und noch konkret zurück zu mir im Jahr 2007: Nachdem ich einigen von euch davon erzählt hatte, dass ich im Sabbatjahr einen Kindheitstraum ver-wirklichen wolle und ein Radiopraktikum bei der Mutter des deutschen Privatradios machen würde, dachten manche, ich würde beruflich umsteigen: „Willst du dich beruflich verändern?“ Aber dieser Gedanke ist in sofern abwegig, weil ich in grauer Vorzeit, als die Familie in jenem phantastischen Sommerurlaub in Norwegen war, schon längst einen anderen Berufs-wunsch hatte: nämlich Lehrer zu werden. Aber das ist eine andere Geschichte.
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Im Archiv gestöbert: Nachdem ich während der Recherche zu diesem Beitrag viel Radionostalgie entdeckt habe, fand ich auch eigene Audiokassetten aus der Kindheit, die O-Töne aus dem Radio enthielten.
Nachrichten-Jingles RTL:
RTL ist Radio Luxemburg:
RTL International (ca. 1979):
RTL International (2. Ausschnitt):
Radio BENELUX:
Didi: Interview eines Stargasts:
HubaHuba:
"Huba huba" wär’ wahrscheinlich heute ein Klingelton, oder?
Heute Morgen wurde ich in der Redaktion mit einer Frage überrascht: "Wer ist Ute?" Ich tippte sofort richtig, denn Ute hatte mir bereits gemailt, als sie tagsüber Radio hörte - und dann wohl auch nachts... Aber dass sie ins Studio mailen würde, hatte ich nicht erwartet.
Und so sah die Mail aus:
E-Mail @ RTL RADIO - Die besten Hits aller Zeiten Von: Ute T... Kommt aus: Recklinghausen Telefonnummer für eventuelle Rückfragen: Email-Adresse Absender: ute....@...
Message: ------------------------------ Hallo RTL-Studio-Team, hallo Frank, sollte der neue Mitarbeiter aus Köln mal als Pauker \"schlechte Noten\" bekommen, kann er sicherlich bei Euch anfangen, oder? Das Wetter verliest er jedenfalls bestens! Euch allen noch eine nette Nacht und schöne Grüße aus Recklinghausen von Ute
Ich freute mich: aber mehr darüber, dass sie mich gehört hatte. Das Lobhudeln war mir eher peinlich - bei den Profis, die um mich herum arbeiten ...
Man könnte meinen: ich sitze hier in der Redaktion und erledige einfach nur meine Praktikumsaufgaben – tatsächlich erlebe ich eine aufregende Zeit. Besonders aufregend ist es immer noch „einzusprechen“ – da gibt es so etwas wie „Mikrofonfieber“, so wie man auf der Bühne von „Lampenfieber“ spricht. In dieser zweiten Woche wurde ich immerhin schon routinierter bei den Arbeitsabläufen und mit dem „Einsprechen“ im Studio, ohne mich zu verhaspeln. Einerseits meint man, ich solle lockerer sprechen, andererseits finde ich, dass dies zu Lasten meiner Stimme gehen könnte- und einschleimen beim Zuhörer mag ich mich auch nicht. Da muss ich noch einen Mittelweg finden. Gelernt habe ich schon, wie viel damit steht und fällt, dass ich vorher gut an den Moderationstexten gefeilt habe. Und dann kommt irgendwann auch das freie Sprechen.
Ja, es macht Spaß hinter den „Kulissen“ zu arbeiten. Manche können sich das Aufregende, den Adrenalin-Kick, vielleicht nicht vorstellen, oder? Sicher: Im Vordergrund steht, das Handwerk zu erlernen und Neues zu erleben. Daneben kann ich aber z. B. im Bereich Nachrichten am Wochenende schon Entscheidungen treffen. Oder es gibt schon eine geringe Möglichkeit zur Kreativität für mich, als ich beispielsweise bei einer Verkehrsmeldung Gefahr durch ein Rindviech auf einer Autobahn Nahe Saarbrücken über den Äther vermeldete und den „Muh“-Ton einer Kuh in den Verkehrshinweis schnitt.
An meinen wenigen freien Tagen konnte ich Vieles, was ich gesehen, gehört und selbst getan hatte noch einmal reflektieren: was sind die Hintergründe von dem, was ich vor Ort erlebe? Dazu recherchierte ich auch im Internet zu aktuellen Programmfragen und zur Geschichte von RTL Radio, das am 15. Juli 2007 mit ehemaligen Mitstreitern sein 50 jähriges Jubiläum feierte.
Wie ihr vermutlich schon gelesen habt, darf ich keine Interna verraten. Deshalb hier ein Geheimnis ganz anderer Art: Auf der Toilette riecht es nach Kirsch-Kaugummi! Jedes Mal wenn ich nun auf`s WC gehe, werde ich an mein Tweety-Eis in den USA erinnert, das ebenso kurios schmeckte und roch.
Seit ich während des Studiums im „Tonträger-verteilzentrum“ von Karstadt am Band gestanden habe, weiß ich, was Fließbandarbeit bedeutet. Bei meinem aktuellen Praktikum wurde diese Er-innerung wieder wach: in einer Schicht 16 Mal Wetter und Verkehr umschreiben und einsprechen, ist vergleichbar mit der damaligen Arbeit am Fließband. Jeder Handgriff muss sitzen, man steht unter Zeitdruck, die Zeiten müssen sekundengenau eingehalten werden, man hat wenig Zeit für ein Gespräch mit KollegInnen und man ist von den Zahlen (hier: Zeiten), die die ModeratorInnen vorgeben, abhängig. Ja, nicht wenige Tage in meiner ersten Praktikums-woche waren echter Stress, und ich arbeitete teilweise für fünf. Ich weiß, dass sich das übertrieben anhört. Aber vor 2 Jahren gab es noch 5 statt der jetzt 1- 2 Praktikanten für eine Schicht. Neben dem „Fließband“ übernimmt man noch den Hörerservice (E-Mails, Telefon), nimmt an der Redaktionssitzung teil, bereitet Texte oder Zahlen vor und erledigt Anrufe für Moderatoren. Dabei sind das teilweise wenigstens Abwechslungen vom „Fließband“.
Der ganze Stress ging auch nicht folgenlos an mir vorüber:
Als ich am Freitagmorgen nach Irrel fuhr und dort eine Telefonkarte kaufen wollte, kippte ich im Laden um - der Kreislauf machte mir zu schaffen. Peng. Da lag ich nun, wo ich eben noch gestanden hatte und sah zu meiner Überraschung die Bedienungen über mir, die hektisch fragten: „Geht es Ihnen wieder besser? Sollen wir einen Arzt rufen?“ Ich hatte am Morgen nicht gefrühstückt und am Tag davor wohl im Arbeitsstress zu wenig gegessen. Schließlich war ich abends nach einem schnellen Happen müde ins Bett gefallen. Nach diesem Ereignis in Irrel war klar, dass ich trotz Praktikumsstress besser auf meinen Körper zu achten hatte. Nun, und gewerkschaftlich gesehen ist es sowieso nicht akzeptabel, dass ich bei nicht vorhandenen Pausenzeiten und für einen Stundenlohn von 70 Cent arbeite … Das ist natürlich nur die eine Seite. Und ihr werdet nun sicher fragen, warum ich diese Selbstausbeutung trotzdem betreibe? Die andere Seite an diesem Praktikum ist, dass es wirklich interessant ist, etwas ganz anderes. Die Kolleginnen und Kollegen sind freundlich, ein nettes Team halt, in dem es auch einiges zu lachen gibt. Und ich denke, mit mehr Routine kann es mir auch noch den Spaß machen, den ich mir mit „Radio machen“ früher vorgestellt habe.
Nach zwei Tagen war ich heute bereits erstmals über Antenne "on air". In dieser Nacht - von 21 bis 4 Uhr- könnt ihr zum ersten Mal "mein" Deutschlandwetter über Antenne, Kabel und Internet bei RTL Radio hören. Leider habe ich im Moment nicht genügend Zeit um mehr zu schreiben. Bericht folgt. Viele Grüsse, fgp.
Meine weiteren Arbeitszeiten sowie Termine, wann ihr mich weiterhin übers Radio oder Internet hören könnt, schreibe ich euch hier regelmäßig in den Kommentar.
Zu spät! Früh startete ich gestern von Köln. Aber ich kam in Staus und verfuhr mich auf dem dem Weg zu RTL wieder einmal in Luxemburg. Da mein Navi nur in D, A, CH funktioniert, hatte ich mir die Strecke mittels Internetroutenplaner ausgedruckt. Auf diese Routen-planer kann man sich nicht verlassen. Ich kam also zu spät, was nun wirklich untypisch für mich ist. Aber das wurde mir genauso verziehen wie mein vorzeitig geplantes Praktikumsende wegen unserer Australien-Reise. Grund: Man braucht mich! Ich bin schon fest in den Arbeitsablauf eingeplant.
Ungewöhnlich: bereits am Donnerstag soll ich auf dem Sender sprechen. Meine Stimme findet man schön. Aber ich spreche noch zu abgehackt. Ich würde sagen, ich spreche „betont“, meine Chefin beschrieb das so: „zu öffentlich-rechtlich“. Da muss ich noch flüssiger einsprechen lernen. Tagsüber arbeitete ich mit einem anderen Praktikanten zusammen, der mir alle Abläufe einer Schicht zeigte. Er war genauso offen und freundlich wie alle anderen KollegInnen. Außerdem bekam ich meinen Vertrag, in dem ich zusichern musste, Verschwiegenheit zu pflegen. So bleibt mein Weblog über dieses Praktikum für euch nur ein „Teaser“ …- ein neues Wort, dass ich hier kennen gelernt habe: „Teaser“ wird in de TV-Branche benutzt, um Kunden mit kleinen Werbefilmen neugierig machen und zur gewünschten Aktion führen - früher hätte man wohl Appetithäppchen gesagt. Ich hoffe, ich mache euch neugierig!;-)
Ich wohne 35 Kilometer entfernt – kurz hinter Echternach.
Abends: nachdem mein Tag um 6 Uhr in Köln losgegangen war, kam ich um 8 Uhr abends zur Schlüsselübergabe an meiner Herberge in Echter-nacherbrück an. Direkt hinter der Brücke, die Deutschland von Luxemburg trennt, liegt das ehemalige Hotel gegenüber dem ehemaligen Zollamt.
Altes Zollhäuschen auf Luxemburger Seite
In meinem Zimmer habe ich kein Telefon und ich empfange nur teuere Luxemburg-Handynetzte. Internet gibt es natürlich nicht am Ort. Das verzögert hier auch meine Weblog-Einträge, denn während meiner Arbeit in der Redaktion habe ich zum Schreiben keine Zeit. Und das deutsche Vodafone-Funknetz reicht auch nicht bis hier hin. Netz-Empfang habe ich erst wieder im 4 Kilometer entfernten Dorf Irrel (Deutschland). Das Zimmer, der Ort und die kalte dunkle Herbststimmung erinnern mich an die Tage meiner Ferienjobs im Studium, als ich damals mit Robotereinsätzen im trostlosen Osten Deutschlands unterwegs war. Nach meinem ersten Arbeitstag war ich abends am Ende der Welt angekommen… Ich hatte also hier jetzt nichts anderes zu tun, außer (m)ein Leben für das Radio!
Retrospektive: Roboter-Einsatz
Tagesresümee: Auch wenn das interessante Radiopraktikum den Erlebniswert in meinem Sabbatjahr erhöht, fragte ich mich am ersten Abend, ob ich mir das in meinem Sabbatjahr antun muss: einen harten Arbeitstag und dann im Feierabend nur noch schnell vor dem Schlafen essen gehen in einer schummerigen Dorfkneipe (s. Foto, unten). Da hatte ich Heimweh nach meinem normalen Leben in Köln.
Auf der Gewerkschaftsversammlung, die ich am Samstag leitete, wurde der Kollege Achim Körbitz aus der aktiven Arbeit verabschiedet. Wie die Zeit vergeht: er war es noch, der mir vor acht Jahren als Schulleiter an meiner ehemaligen Schule das diesjährige Sabbatjahr genehmigte. Danke!
Diejenigen, die mein Weblog äußerst genau lesen, werden denken, ich sei ab heute in Luxemburg. Weil ich andere terminliche Verpflichtungen habe, verschiebt sich mein Praktikum bei RTL Radio aber um eine Woche. Es startet also erst am 12.11.07.
Zum 01.11. habe ich trotzdem bereits mein Zimmer (s.o.) gebucht. Den Zimmerschlüssel wollte ich längst abholen. Bevor ich dazu gekommen bin, musste extra für mich ein Bewohner im Haus umziehen. Denn meiner „Herbergsmutter“ war es in den voraus-gegangen Telefonaten wichtig, dass ich mein Zimmer direkt neben zwei zukünftigen RTL-Kollegen von mir bekomme, die schon seit Jahren dort wohnen.
Seit geraumer Zeit kann man massenhaft wieder auferstandene Solo-Künstler und Bands in Konzert-hallen sehen, die sich noch mal eine goldene Nase verdienen wollen. Denn Musiker können heute statt mit CD-Verkäufen ihr Geld auf Konzerttourneen verdienen (siehe: Veranstaltervertrag von Madonna).
Das muss nicht immer ein Vergnügen für frühere Plattenkäufer sein. So war ich beispielsweise mit meinem Bruder vor Jahren bei einem Grufti-Konzert von Supertramp – das war eher enttäuschend.
Anders am Montag bei Take That: ihr Auftritt, neue Songs und das Bühnenarrangement waren beeindruckend und glamourös. Schön war auch, dass die europäische Tour 2007 nicht einfach eine Kopie der UK-Reunion-Tour war. In 2006 waren Take That erstmals seit 10 Jahren wiedervereinigt in Großbritannien auf Konzertreise gegangen.
Februar 1996: Take That trennten sich
– spontanes Motto für eine länger geplante Party damals
Nach Wien und Zürich traten Take That beim Deutschlandauftakt der „Beautiful World“-Tour auch in Köln nur zu dritt auf, weil sich „Howy“, der Vierte der früheren fünfköpfigen „Boygroup“ (mit Robbie Williams) beim Konzert in Madrid verletzt hatte. Fair: Den Fans wurde bis zuletzt angeboten, die Tickets zurück zu geben, selbst wenn man bereits in der Halle war.
Bei jedem Konzert, das ich nun gesehen habe, reduzierte sich die Truppe um jeweils ein Bandmitglied …
Gruß: Verletzter Howard Donald
Auch wenn die Zeit (01.12.2006) über das neue Album unter der Überschrift „Gealterte Jungs“ schrieb, dass es hauptsächlich „gefälliges Radiogedudel [sei]. Harmlose Lieder für Supermärkte, Großraumbüros und Umkleidekabinen.“ – In der Kölnarena boten Take That eine phantastisch inszenierte Bühnenshow zu eingängiger Pop-Musik mit neuen wie alten Songs.
Glamouröse Show
Und zum Glück war die Show nicht einfach nur perfekt durchgestylt. Es gab Nähe zu den Fans und keinen klinischen Ablauf wie bei Kylie Minogue oder Pop-Queen Madonna, so dass es beim Publikum blieb, die Stimmung mitzubestimmen. Schlimm fand ich da nicht, dass Take That an einer Stelle im Konzert unauffällig den Übergang zwischen zwei Songs von anderen geklaut hatten: bei ELO (das Ende von Mr. Blue Sky). Das passte einfach. Im Vergleich zum letzten Jahr fiel mir bei Take That auf: In Manchester 2006 gab es noch zahlreiche professionelle flotte Tanzeinlagen der Bandmitglieder, diesmal fast keine. Beim fortschreitenden Alter von Take That durchaus nachvollziehbar.
Das Publikum ging mit.
Nachdem ich mein erstes Takt That- Konzert auf deren Höhepunkt erlebte, als sie noch in alter Crew mit Robbie Williams über die Bühne hüpften und ich das zweite in Manchester nach deren Reunion letztes Jahr geschenkt bekommen hatte, war das nun tatsächlich mein drittes Konzert.
Mit dem Resümee: Aller guten Dinge sind drei. Sonst halte ich die heute üblichen Konzertkarten-Preise für überzogen, aber für dieses Konzerterlebnis hat sich das Geld gelohnt.
(Clip: Konzertbeginn)
(Clip: Gary Barlow - Could it be magic)
(Clip: It only takes a minute)
(Clip: Jason Orange - Wooden Boat)
Die Gruppe tritt heute in Rotterdam (NL) auf. Dänemark, Schweden und Frankreich sollen folgen. Weitere deutsche Tourdaten:
In dieser Woche startete im Deutschen Historischen Museum (dhm) die Ausstellung: „NOVOS MUNDOS – NEUE WELTEN. Portugal und das Zeitalter der Entdeckungen“. Das offizielle Plakat dazu (Abbildung oben) zeigt die Ankunft der Portugiesen auf einem japanischen Wandschirm aus dem frühen 17. Jahrhundert.
Für Jugendliche mit Abenteuergeist mag die Aus-stellung interessant sein, in Ihrer Art ist sie altbacken – simples Vitrinenmuseum … Was aber noch schlimmer ist: Die Ausstellung ist nicht nur in ihrer Art wenig zeitgemäß, sie ist auch inhaltlich fragwürdig. Denn es wird eine schlichte europäische, detailliert portugiesische Sicht bemüht, um die Ent-deckungen darzustellen. Sichtbare Folgen der Entdeckungen? Keine Spur! Keine bildliche Darstellung von Sklavenhaltung. Mord und Totschlag durch die Entdecker kommen nicht vor. Mit Bildern von Fürsten, Päpsten und Prunk schmückt man sich dagegen gern. Die Sicht der „Entdeckten“ ist minimal angedeutet.
Also: eine peinliche Ausstellung im 21. Jahrhundert in einem zentralen deutschen Museum. Logisch wird aber alles, wenn man sieht, dass der portugiesische Fremdenverkehr (s. u. ) die Ausstellung fördert. Da passen keine kritischen Untertöne. Das erinnerte mich an die Columbus Parade in der „Neuen Welt“ (USA).
Mir persönlich wären schöne portugiesische Land-schaften, einfach Land und Leute dann lieber gewesen als dass man für eine langweilige und unreflektierte Ausstellung die Geschichte bemüht.
Fremdenverkehrswerbung in Berliner S-Bahn-Station: eine geschichtswissenschaftlich zweifelhafte Ausstellung
Deutsches Historisches Museum (im Vordergrund),
im Hintergrund: Berliner Dom, Fernsehturm Alex, Rotes Rathaus, geradeaus: Abriss vom früheren Palast der Republik
Jedes Jahr bin ich einige Male in Berlin und ich mag die Stadt besonders, wenn es so schön herbstlich-kalt ist. Meine Überschrift oben, à la „Ich bin dann mal (eben) weg“, erweckt vielleicht den Eindruck, dass es ein spontaner Entschluss war. Wer mich kennt weiß aber, dass ich nichts mal „so eben“ mache, weil ich für Kalkulierbarkeit bin. Allerdings gab es diesmal bis zum Schluss ein Hin und Her, ob ich reise oder nicht, und das aus guten Gründen …
Trotzdem: Wenn nicht in Berlin ein kleines Wunder geschieht (steigere ich jetzt die Neugierde bei euch?), werde ich nächste Woche zurück sein, um meine Arbeit in der Gewerkschaft wieder aufzunehmen und anschließend ins RTL-Praktikum zu gehen bis wir nach Australien fliegen. Jetzt seid ihr fast ganz im Bilde zum aktuellen Stand in meinem Sabbatjahr, oder etwa nicht? Schöne Grüße aus der Berliner Luft!
Plakat gesehen in der S-Bahn-Unterführung Yorckstr. (Kreuzberg)
Ja, mit mir kannst du was erleben! Vor drei Tagen fuhr ich zu einem Freund nach Bonn, die letzte Fahrt mit dem Colt. Das allein ist noch keine große Geschichte wert. Aber unerwartet sollte die Ära „Mitsubishi Colt“ mit großem Tam-tam zu Ende gehen. Wahrscheinlich war das alles Psychologie, denn bekannter Weise zählen der erste und der letzte Eindruck.
Das Problem nach der Fahrt war: Zack, Tür zu und der Schlüssel war drin. Mir passierte dieses Miss-geschick nicht das erste Mal mit meinen Colts. Es ereignete sich in wiederkehrenden Abständen. Denn entgegen heutigen Modellen hatten meine beiden Colts noch die uraltmodische Variante der Tür-schließung: Man muss vor dem Aussteigen von Innen verriegeln und danach außen beim Tür schließen den Griff hoch ziehen. Der Vorteil: man kann auf die Benutzung des Autoschlüssels verzichten. So wie ich nun wieder in Bonn. Als die Fahrertüre zu war und ich die Beifahrertüre öffnen wollte, war auch sie verschlossen. Da stand ich nun und der Schlüssel lag in der Laptop-Tasche auf dem Beifahrersitz. Entweder war nun ein Reserveschlüssel zu besorgen oder anders die Türe aufzubekommen. Aus Erfahrung wusste ich, wer helfen konnte: die Polizei. Wer Autoknacker jagt muss wissen, wie sie ihr Geschäft betreiben.
Schnell kamen sie: zwei Figuren wie Stan Laurel und Oliver Hardy. Oli fuhr den Streifenwagen, lächelte schon amüsiert, als er uns neben dem verschlossenen Auto stehen sah. Seinen voluminösen Körper zierte eine neongelbe Verkehrspolizisten-Weste wie ein Zelt. Sein Beifahrer glich nur fast Stan Laurel. Er war dünn, kleiner als „Doof“– und er trug den klassischen Polizei-Oberlippenschnäuzer alter Schule. Damit erinnerte er leibhaftig an die Karikatur von „Oskar, dem freundlichen Polizisten“.
Oskar, der freundliche Polizist lebt!
(Die Comicfigur stammt von Otto Schwalge und erscheint seit über 50 Jahren im Kölner Stadt-Anzeiger.)
Die beiden „Autoknacker“ begaben sich ohne zu zögern an ihr Handwerk. Obwohl sie sich mit Keilen und Draht mühten, kamen sie nicht ins Auto – so leicht wollte es Mitsubishi den Autodieben nicht machen. Die beiden „Langfinger“ scheiterten an meiner Autoverriegelung. „Oskar“ meinte dann auch: „Ich muss mir wohl wieder einen Metallschieber besorgen, um Autotüren zu öffnen.“ Dann könnte Oskar sicher den Beruf wechseln…
Durch das Scheitern von Freund und Helfer in einer Karriere als Autodiebe musste dann doch noch ein Reserveschlüssel her. Dick und Doof, äh, ich meine Oli und Oskar, rieten mir, bloß nicht das Auto unbeauf-sichtigt stehen zu lassen. Denn auf dem Beifahrersitz lagen sichtbar Laptop, Navi, Geldbörse. Die Scheibe sei schnell eingeschlagen, um die Sachen zu greifen und damit zu verschwinden.
Dann hieß es Warten auf den Reserveschlüssel. Oli und Oskar hatten da schon Feierabend. In den drei Stunden des Stehens in der Kälte merkte ich: der Winter steht vor der Tür. Ich konnte außerdem sehen, wie der Grüne Pfeil 17 Jahre nach der Vereinigung im Westen ankommt (s.u.) und ich erinnerte mich frierend an alte Autogeschichten.
Wartend stand ich neben einer Ampel, geschützt vor dem kühlen Wind im Hauseingang eines heimeligen Geschäfts namens „Stoffe und Wohnen“. Bei der Kälte wurde mir klar, dass Türsteher besonders im Winter kein toller Job ist. Obwohl ich lange genug vor diesem Geschäft stand, mochte ich nicht die üppigen Seiden-taften, Brokaten und Damasten bewundern, ge-schweige denn konnten die „Atmosphärenwelten“ im Laden meine "Einrichtungslust" anregen, wie es die erklärte Absicht der Inhaber war. Eine gewärmte schlichte Holzhütte hätte mir völlig gereicht.
Während ich mir einen Ast abfror, konnte ich statt-dessen beobachten, wie die Autofahrer mit dem grünen Pfeil in Bonn klarkommen. Nämlich schlecht. Die eine Hälfte der Rechtsabbieger übersah den Pfeil und wartete brav vor roter Ampel. Nicht selten hupten nachfolgende Fahrer, die vom Warten genervt waren. Die andere Hälfte rauschte in die Kreuzung. Nicht ohne Grund heißt die Straße „Belderberg“ und ist abschüssig. Die Fahrer kamen also mit Schwung die Straße herunter, betrachteten den Pfeil offenbar als „grün“ wie das Grünlicht einer Ampel. Sie sausten ohne Halt (= verkehrswidrig) weiter und fuhren dabei mehrmals Fußgänger, die von links kamen, knapp über den Haufen, die wütend schimpften, weil ihnen die Fußgängerampel tatsächlich grün zeigte.
Jede Autogeschichte ist Teil der Lebensgeschichte ihres Besitzers. Ich hatte zwei Colts. Hier eine kleine Auswahl der zahlreichen Geschichten: Das erste Auto (s. oben), noch zu Studentenzeiten, ist natürlich immer etwas Besonderes, weil man seinen Aktionsradius erhöht, also mit ihm große Freiheit und erste Abenteuer und Partys erlebt: Sauerland, Holland, Brüssel, Berlin, Bremerhaven, vom Ruhrgebiet nach Düsseldorf, Krefeld, Köln …
Kurios: Es hatte einen „Power-Hebel“ (der hieß wirklich so), der aber nur einmal eingesetzt wurde für Jaro, weil ich ansonsten ein sparsamer und umweltfreundlicher Autofahrer bin. Außerdem bin ich treu: immer der gleiche Arzt, der gleiche Friseur – und die gleiche Werkstatt. Diese Werkstatt hatte sich mein Vertrauen durch folgende Episode verdient:
Irgendwann ließ sich mein Kofferraumdeckel nicht mehr verschließen, was ich gar nicht tragisch fand, weil ich schon damals nicht selten den Schlüssel im Auto vergessen habe. So konnte ich den Kofferraum immer als „Noteinstieg“ nutzen. Als ich dann wieder mal mein Auto für Ölfilterwechsel in meine Werkstatt gegeben hatte und ich danach ohne Schlüssel-benutzung den Kofferraum öffnen wollte: zog ich am Deckel, zog und zog, aber er ließ sich nicht öffnen! Ohne einen Kommentar (und ohne Rechnung) hatte die Werkstatt das defekte Schloss repariert. Das nenne ich Service! Auch hatte der erste Colt wie mein zweiter (s. u.) seine eigene Abschiedstour: es ging mit Kumpel Carsten durch Italien. Nachdem ich diesen ersten Colt bis zum bitteren Ende gefahren hatte (ihn durch den TÜV zu bringen war nicht mehr rentabel), wurde er anschließend noch Teil eines Raubüberfalls. Nein, nein, nicht von mir. Nachts rief bei mir die Polizei an: Ob ich denn der Halter dieses Fahrzeugs sei? Am Folgetag musste ich meinen Verkauf belegen, der Tage vorher stattgefunden hatte, und anhand von Fotos die Käufer wieder erkennen, die wohl Kriminelle waren…
Queen Mom: Was hat die hier zu suchen?
Mein zweiter (jetziger) Colt hat genauso viel „erlebt“: den Mauerfall in Berlin, drei Umzüge von mir. „Er“ hat die alte Queen Mom im darauf folgenden Frühjahr an der Mauer „getroffen“ (Foto oben), mich „begleitet“ zu meinem ersten Job, dann zu meiner zweiten Schule. Er hat zahlreiche Ausflüge ermöglicht: von Düsseldorf bis Heidelberg, holländische See, Expo in Hannover, Sommerpartys bei Freunden, oder auch mal eine Spaghetti-Eis-Tour ans Hermannsdenkmal, Nachtfahrten in der Karnevalszeit von Köln nach Bielefeld oder Reisen nach Hamburg, Berlin, zuletzt Genf, Zürich.
Ciao Colt!
Es lebe des Deutschen liebstes Kind – hier der Neue.
Wenn ich den Kinofilm Ratatouille im Fernsehen gesehen hätte, hätte ich bestimmt nach 15 Minuten abgeschaltet. Eine abstruse Story, trivial, zu viel peng-peng. Anfang und Ende des Films fand ich schwach.
Aber dazwischen lief eine amüsante Geschichte ab, mit teilweise spannender Handlung und technischer Perfektion durch die Animation von Pixar Studios. Das war Zeichentrick und Computeranimation für Erwachsene. Weshalb allerdings hinter mir in der Abendvorstellung zwei ca. 2 und 5 Jahre alte Kinder saßen, habe ich nicht verstanden. Die schliefen bald ein, während ich mich mehr und mehr amüsierte über die Abenteuer der Ratte Rémy auf dem Weg zum Meisterkoch.
Ob es etwas Symbolisches hat, dass Walt Disney mit einer Mickey Maus seinen Anfang machte und jetzt mit einer Ratte namens Tuuii nach der Übernahme der Pixar Studios auf dessen Qualität angewiesen ist? Mit den Pixar Studios hat Disney ein würdigen Nachfolger gefunden – vielleicht berappelt sich Walt Disney nun, geht mit zeitgemäßer, modernster Computertechnik, überzeugender Filmmusik und kreativen Zeichnern zurück zu seinen Wurzeln, zu guten Geschichten für Kinder (z.B. traditionelle Weihnachtsfilme), ohne den Firlefanz der letzten Jahre. Pixar Studios machen es mit diesem Film vor. Neben der ausgefeilten Technik besticht der Film durch charmante Figuren, wilde Jagden und einer schönen Botschaft.
Und letztlich konnte ich den Film nicht schlecht finden, denn er enthält eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die ich zwischen mir und den Amis sehe: der Liebe zum glitzernden Paris.
Stellt euch vor, die U-Bahn ist gerammelt voll; wie in Köln zwischen Hbf und Neumarkt. Da kommt niemand durch. In diesem Riesen-Rummel eine Fahrkarten-kontrolle? Habe ich bei der KVB noch nicht erlebt. Anders in SF. An jeder Tür der Bahn steigt ein breiter Kontrolleur zu: „So, Ladies and Gentleman, bitte alle die Fahrkarte in die Höhe halten.“ So als hätte der Sheriff plötzlich „Hände hoch!“ gesagt, wühlen alle die Hände aus den Taschen und zeigen brav in die Höhe, was wie ein gültiges Ticket ausschaut. Der Rest „darf“ an der nächsten Station mit den Kontrolleuren aussteigen.
In den USA wird jedes Jahr am zweiten Montag im Oktober der Kolumbus-Tag gefeiert. Er erinnert an die Landung des italienischen Seefahrers Christoph Kolumbus am 12. Oktober 1492 in der Neuen Welt. Richtige Feiern an diesem Tag finden nur am Rande statt. Vielmehr ist er Anlass für Geschäfte, wieder mal „Sale“ anzubieten. Der Tag ist auch kein regulärer arbeitsfreier Tag, nur für Schülerinnen und Schüler ist schulfrei.
„Richtige“ Feiern finden am Sonntag in San Francisco statt. Neben der Blue Angel – Fleet Week (s.u. ) sind weitere Events: die Italian Heritage Parade im Ortsteil Russian Hill sowie das Castro Street Fair. Das Straßenfest im Castro wurde noch persönlich von Harvey Milk im Jahr 1974 iniitiert. (Mehr Infos: Bay Area Reporter, sfBayTimes) Die italienische Parade zum Columbus-Tag ist allerdings schon "etwas" älter: die erste fand 1868 statt.
Castro Street Fair: Fotos von der Parade: und wieder der Mayor...
Gestern Abend: Theateraufführung. Als US-Premiere führte das New Conservatory Theatre Center (nctc) das australische Stück Holding the Man auf. Es handelt sich um die autobiographische Story von Timothy Conigrave. Nach dem Theaterbesuch fragte ich mich, ob in der Geschichte, die ich für einen Schulbuchverlag schrieb, HIV nicht wenigstens erwähnt werden muss? In der letzten Woche hatte ich die komplette Story zu Ende geschrieben und an den Verlag gemailt.
Van Ness 25:
Hier befindet sich das New Conservatory Theatre.
Actor Bradley Mena (im Stück als John) einige Zeit später im Badlands
Normalerweise hört und sieht man über Downtown San Francisco viel seltener Flugzeuge als bei uns. Ab heute ist die Ruhe vorbei, denn in der Bay Area startete die Flugwoche der Blue Angels.
Für die TV-Berichterstattung steht die Show im Mittelpunkt: Wo kann man die besten Plätze mit dem besten Blick auf die Bucht ergattern? Wo ist die VIP-Lounge? Wer wird kommen? Wie wird das Wetter? Seit der Katastrophe von Ramstein sieht man als Deutscher weniger vergnügt nach oben, wenn die Flugzeuge in 2er-, 4er- oder 6er Formation ganz-tägig niedrig über Köpfe und Dächer schießen. Sicherlich terminlich nicht abgestimmt und dennoch ebenso ein Highlight ist die heutige Landung des zurzeit größten Flugzeugs auf der Erde, des Airbus 380 auf dem Flughafen SFO. Der A 380 befindet sich auf Testflug um die Erde.
(*Überschrift: nach dem Song von Lotto King Karl)
Formation in der Ferne
Das Foto oben mit der Formation, die man auch bei Vergrößerung (aufs Bild klicken) nur klein sieht, ist wegen des Gebäudes in der Bildmitte interessant:
Die sichtbare runde Kuppel an der Spitze des neuen Wolkenkratzers wird ein großes Wasserbassin , das bei Erdbeben die Schwingungen ausgleichen und damit einen Einsturz des Gebäudes verhinden soll.
Das Frühstücksfernsehen wird morgens nicht nur vom Klassiker „GMA“ (Good Morning America) aus New York bestimmt (für Kalifornien über: ABC7.com) , sondern vom Regionalsender KRON4 oder alternativ von CBS regional . CBS versucht mit seiner „Early Morning Show“ GMA nachzuahmen – genauso nervig. KRON4 ist dagegen der regionale Nachrichtensender, der jeden Stau oder Verkehrsunfall live berichtet. Neben CNN versucht auch FOXnews überregional umfassender zu berichten.
Apropos Wetter: An die Fahrenheit-Angaben habe ich mich nicht gewöhnen können. Zum Glück hatte ich mir diese Tabelle vor meiner Reise ausgedruckt: + 15 Grad = 59 Fahrenheit + 20 Grad = 68 Fahrenheit + 25 Grad = 77 Fahrenheit + 30 Grad = 86 Fahrenheit
Aktuelle Diskussion in den USA: sollen illegale Einwanderer einen Autoführerschein erwerben können? CNN berichtet knapp das Argument der Gegner: dadurch könnten die Lizenzen in die Hand von Terroristen geraten. Balla-balla.
Hier die Auflösungen zu den drei Rätselfragen: 1. vom 24.08.: „Pätrick“ (Andrea lag richtig) 2. vom 04.09.: Golden Gate Brücke 3. vom 20.09.: 35 Prozent
Oakland/CA. Familienausflug zur Wahlkampfver-anstaltung von Hillary Clinton. Auf der Market Street in San Francisco war ich aufgegabelt worden, ob ich nicht auch demnächst kommen wolle: „Do you want to meet Hillary?“ Okay, okay, das Spektakel lässt man sich ja nicht entgehen. Ich musste mich lediglich in eine Liste eintragen und bekam das Ticket.
Bei der Ankunft: eine riesig lange Schlange ….
… die hinter der Ecke noch länger war.
Hillary Clinton, die von ihren weiblichen Fans liebe-voll “Rodi” genannt wird (offizieller Name: Hillary Diane Rodham Clinton) lud zur „Make History“-Tour. Auf Hillarys Website heißt ihre Tour etwas bescheidener nur noch „help make history“.
Ich glaube, das war die zweite „History“-Tour in meinem Leben – wenn ich mich nicht irre, war meine erste bei Michael Jackson, da war ich allerdings nicht ganz freiwillig. Aber das ist eine andere Geschichte. Michael Jackson ist längst (Pop-) Geschichte.
Aber auch bei Hillarys Tour ging es zu wie bei einem Popstar: Buttons, Plakate, T-Shirts ….
Film, Funk und Fernsehen
In der Schlange musste jeder noch einmal seine Daten angeben. Auf diesem Bettel-Zettel konnte ich auch gleich spenden. Allerdings wurde ich darauf hinge-wiesen, dass anonyme Spenden über 50 Dollar gesetzlich verboten sind.
Endlich drin! Warten auf Hillary...
... unter guter Bewachung für die ehemalige First Lady der USA.
Motto ihres Wahlkampfes - Hillary will führen
Spot an: gleich ist sie da!
Aber vorher will er auch noch werben: Gavin Newsom.
Einige Landes- und Lokalgrößen traten zuerst auf, so wie es auch bei uns auf Wahlkampfveranstaltungen üblich ist. Auch der Mayor von San Francisco, Gavin Newsom, sprach. Schließlich wird in Kalifornien im Februar 2008 noch regional gewählt und da kann er hier bei Anhängern für sich selbst Werbung machen. Anschließend wurden bei der weiteren Show nahezu alle Klischees bedient, wie man es erwartet.
Ich fasse es nicht: Es wurde wirklich gebetet. War ich nun bei der Demokratischen Partei gelandet oder doch bei den Republikanern? Nachdem der Gospelchor das x-te Lied anstimmte, wurde man ungeduldig: „Hillary! Hillary!“
Endlich kam sie: Und sie ist so „happy“ da zu sein…
Hillary on stage
... und das sagt sie uns auch:
(Clip: Hillary on stage)
Hillary mit Lokalpolitikern
Hillary Clinton begrüßt die Lokalgrößen – dabei vertut sie sich mit den Namen ihrer Parteifreunde, was ihre Unterstützer lustig bis peinlich finden. Die weiteren politischen Schlagwörter von Hillary: Jobs, Verbesserung des Gesundheitswesens (viele verloren gerade ihre Krankenversicherungen) und sie will die Soldaten aus dem Irak geordnet zurückholen (dabei hatte auch sie für diesen Krieg gestimmt).
(Clip: Hillarys Loblieb auf Kalifornien)
(Clip: Hillary am Ende: Patriotismus)
Das Ende vom Lied, besser gesagt der Rede: ein Stück Patriotismus …
-mit interessantem Unterton: „wir“ (also die Amis) wollen die Welt anführen, aber wir müssen dafür sorgen, dass die anderen sich auch führen lassen wollen. Ihre Unterstützer träumen davon, dass sie Präsidentin wird und Barack Obama (im Moment noch einer ihrer Mitkonkurrenten innerhalb der Demokraten) Vize-präsident wird.
Bye, bye - and good luck!
Ganz in dieser Euphorie lade ich schon mal zu einer Wahlparty bei mir im November 2008 ein, zur Wahl der 44. Präsidentin oder des Präsidenten der USA.… CU!
Museen sind zahlreich in San Francisco. Das San Francisco Museum of Modern Art (SFMOMA) ist das zweitgrößte Museum für zeitgenössische Kunst in den USA und hat eine größere Matisse-Ausstellung.
Aktuell werden dort Installationen des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson gezeigt (lebt in Kopenhagen, hat ein Studio in Berlin). Die Ausstellung mit dem Titel „Take Your Time and Your Tempo“ enthält u. a. einen ganz in gelb verstrahlten Raum, dass einem die Augen brennen. Ein bisschen verspielt wirkt das Ganze. Ein bisschen mag ich so etwas ja sogar, wie z.B. seinen Nebelraum oder Wasserteich, dessen Wellen durch Bewegungen der Museums- besucher ausgelöst werden. Dass in einem Kühlraum „Bi, Äm, Dabbel-Ju“ (BMW) dabei Product Placement durch ein eingefrorenes Chassis betreibt, wirkt etwas irritierend – der Strom dazu wird natürlich mit „grüner Energie“ betrieben. In SF ist „green“ genauso angesagt wie als Statussymbol diese Automarke …
De Young – Museum im Golden Gate Park
Im Golden Gate Park befindet sich das M. H. de Young Museum mit Werken amerikanischer Künstler und Kunsthandwerker, also neben frühen amerikanischen Gemälden (Albert Bierstadt) und Skulpturen (Frederic Remington) auch Antiquitäten, z. B. aus New England.
Ebenfalls im Golden Gate Park ist das Gewächshaus (Conservatory of Flowers), das Asian Art Museum mit Kunstschätzen aus Tailand und Tibet sowie der Japanese Tea Garden. Der Park zählt so zu den größten Besucherattraktionen.
Golden Gate Park
San Francisco Art Institute (nicht weit entfernt von der Lombard Street)
Die Stadt Berkeley ist für viele bis heute ein Symbol für Andersdenkende. Während der 1960er und 1970er Jahre führten Studenten auf dem Campus der Uni- versität von Kalifornien eine nationale Protest- bewegung gegen das amerikanische Engagement im Vietnamkrieg (1959-1975) an. Malcom X erhielt hier Redeverbot. Zu dieser Zeit war Berkeley auch bei Musikfans bekannt, weil die Musikgruppe Creedence Clearwater Revival von dort stammte.
University of California, Berkeley
UCB: Zoologie und Botanik
Die „University of California, Berkeley“ wird auch als Cal, UC Berkeley oder nur Berkeley bezeichnet. Aktuelles über das Campus-Leben erfährt man aus „The Daily Californian“.
Als ich die Universität besuchte, wirkte einiges von damals auf mich heuer anders. Die Universität soll einen Haushalt von sage und schreibe 2,2 Milliarden Dollar (2006) haben. Und woher das Geld kommt (500 Mio $), kann man an diesem Flugblatt sehen:
UCB: Geld aus schmutzigem Öl?
Demo unter wachsamen, entspannten Augen
Die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung scheinen an der UCB nicht besser zu werden. Darauf wies eine Demonstration hin. Monica Martinez, Teilnehmerin der Arbeiter-Demo schreibt auf einem Flugblatt:
„Ever since I’ve worked at UC, I’ve had to have a second job. It’s hard working 12 hours shifts, 6-7 days a week. […]
My 4 teenage kids and I share a 2 bedroom apartment. […] It’s frustrating that even though I am working hard, even though I have two jobs – I am barely making it.”
Das Wochenende wirft seine Schatten voraus: Neben dem traditionellen Fest in der Folsom Street (30.09.) findet am kommenden Samstag, 29. September das “Lovefest 2007” statt. Bis zum letzten Jahr trug es wie in Berlin (nun im Ruhrgebiet) ebenfalls den Namen Loveparade, doch die Namenslizenz ist dieses Jahr verfallen. Sie wurde trotz des Wunsches der amerikanischen Veranstalter nicht erneut vom Management der Loveparade vergeben. Ähnliches gab es bereits in Zürich (die dort Streetparade heißt). Ob nun Loveparade oder Lovefest: Das hindert die Veranstalter in San Francisco nicht, das größte Tanzereignis der USA auszurichten. Die diesjährige Parade wird unter anderem vom Berliner Discjockey Dr. Motte unterstützt. Mit euren Ohren könnt ihr live dabei sein.
Im Castro-Viertel wird seit Jahren Halloween mit einer (nächtlichen) Parade gefeiert.
In diesem Jahr wurde das Fest von Bürgermeister Gavin Newsom (“42nd Mayor of the City and County of San Francisco”) verboten. Grund: Die Sicherheit könne nicht gewährleistet werden. In den letzten Jahren habe die Gewalt zugenommen, im letzten Jahr wurden gar 9 Personen durch Schüsse verletzt. Nun haben sich Bürger zum Protest gegen das Verbot der Stadt zusammengeschlossen. New York City sei ein Beispiel für San Francisco, wie man eine Halloween-Parade sicher und erfolgreich durchführen könne.
Gestern fand im Center ein Seminar zur Arbeit gegen Gewalt statt. Es wurde geleitet von Tina D’Elia (cuav), Amal Kouttab (sfwar) und Michael Scarce (dotmen). Sie präsentierten interessante US-Fakten und dazu gehörende Terminologien. Anschließend ging es in Kleingruppen (bei mir geleitet von Scott Ward) darum, in welchen Punkten man den Thesen zustimmen könne und welche Fragen im anschließenden Plenum diskutiert werden sollten.
Sonntagnachmittag im Dolores Park. Alle genießen die Sonne im Spätsommer 2007. Da kommt Rotkäppchen vorbei. Ihre Kleidung ist eine Mischung aus Kelly-Family-Look und gut gepflegtem Hippie. Zwar hat sie sich kein rotes Käppchen aufgesetzt, aber das Körbchen hat sie dabei. Der Korb hat ein großes Cannabisblatt auf dem geöffneten Deckel. So geht das junge Mädchen von Decke zu Decke, nimmt wie eine alte Freundin gemütlich Platz und breitet ihre Backwaren aus: Plätzchen, Brot, Kuchen. Alles ist einzeln in Klarsichtfolie verpackt, wird angefasst, beschnuppert und fleißig gekauft.
Dass das private US-Fernsehen – trotz 59. Emmy’s in L.A. - schlechte Qualität hat, ist hinlänglich bekannt, auch bei Amerikanern selbst. Besonders sonntags wird’s grauenvoll: Am Nachmittag gibt’s nur Sport in allen Varianten (aber da liege ich sowieso irgendwo auf der Wiese oder gehe etwas trinken) und vormittags wird man auf allen Kanälen mit TV-Predigten maltretiert. Aber Deutschland kann sich auch nicht mehr so viel auf sein TV-Programm einbilden, denn die Unterschiede zum deutschen Privatfernsehen sind so riesig nicht. Es laufen die gleichen Serien wie Desperate Housewives und Formate von Big Brother (mit schärferen Auseinandersetzungen als bei uns, bis zu körperlichen Attacken) über America’ s Next Topmodel bis Dancing with the Stars.
Sonntags die Preview- montags gehts dann in den "Monster Park" (die Heimat der 49ers)
Erziehung im Kinderprogramm: Goldfisch noch im Kugelglas
Einige Akzente sind im US-TV auffallend anders gesetzt:
Die Gerichtsshows zeigen offenbar noch echte Angeklagte und Zeugen. Mich hat es schon ein wenig geschockt wie „Judge Judy“, die freundliche alte Dame, im Gerichtssaal herum schrie und die Angeklagten zur Schnecke machte. Manchmal schien das fast ein Fall für Amnesty International zu werden (ohne mit diesem Vergleich die gute AI-Arbeit schmälern zu wollen).
Vorsicht vor Richtern, die man kumpelhaft „Judy“ nennt